Die Zunftehrbarkeit hielt dem Handwerk den Zirkel geschlossen, aber die Zunftstuben wurden im Streit um die Macht die Brutnester der Empörung.
Denn die Macht in der Bürgerschaft war der Rat der reichen Geschlechter; sie waren die stolzen Ritter der Stadt, und wie der Burgherr den Bauer in Hörigkeit brachte, so hielten die reichen Geschlechter die Zünfte im Zwang ihrer Steuerbedrückung.
Aber als die Städte groß wurden und die Zünfte viel Volk waren, wollten sie selber im Rat sein und in der Bürgerschaft gelten.
Hitzige Meister und scharfe Gesellen hängten die Fahnen der neuen Zeit aus; die Selbstherrlichkeit der Geschlechter wurde bestritten, aus den Zunftstuben trat der gemeine Mann auf die Straße.
Er kannte das feine Waffenspiel nicht, er hatte nur seine Fäuste; aber die Fäuste waren in täglicher Arbeit gehärtet, und die Fäuste waren die Masse.
Rösselmann hieß der Schultheiß in Colmar, der die Ratsherrlichkeit der Geschlechter zuerst durch die Stadttore jagte und den Zünften das Regiment gab.
Den Rat wieder zu bringen, kam der König selber vor Colmar geritten; aber er mußte die Stadt mühsam berennen, ehe das Schwert seiner Ritter und Knechte der trotzigen Bürgerschaft Herr war.
Dem Schultheißen schlug der Henker das Haupt ab; aber der Hände blieben zuviel in den Zünften, sie alle zu stäupen.
In Worms und Köln, in Ulm und Speyer, in Münster und Lübeck blieben die Zunftstuben die Brutnester der Empörung; und eher ruhte die Bürgerschaft nicht im Streit um die Macht, bis die Zünfte im Rat waren.
Es wurde viel Gut vertan, und viel Blut floß in dem Streit; über der Bürgerschaft hingen die blitzenden Wolken von einem Gewitter ins neue; die Sonne der Zeit schien grell auf die Städte, und die Blumen des Wohlstandes wuchsen darin üppig und wunderlich hoch: der gemeine Mann in den Zünften wollte davon seinen Teil haben.