Albertus Magnus

Aber die Kirche hatte der braunen Einfalt die weiße Klugheit gesellt; indessen die Barfüßer den Bettelsack hielten, lehrten die Dominikaner das Kirchengeheimnis der göttlichen Dreiheit.

Die weißen Brüder hatten kein Eigentum, wie die braunen, und mußten sich von den Abfällen des städtischen Wohlstands nähren; aber sie gingen nicht auf die Straße und hielten zu den Geschlechtern.

Denn ihr Teil war die Lehre und Wissenschaft von den Dingen, darin der Kirchenglaube als Schatzhalter stand; sie brauchten die Stille gesicherter Stuben, und nur der Kampf gegen die Ketzer rief sie ans Licht.

Sonst saßen sie über den Schriften und suchten mit Eifer und Scharfsinn den Glaubensgrund ab; sie hielten dem zweifelnden Geist das Rüstzeug der Kirche blank und lehrten die geistlichen Schüler, das Rüstzeug zu gebrauchen.

Sie hießen ihn Albert den Großen, obwohl er kein Fürst oder Bischof, nur ein Lehrer und Mönch war: Albert von Bollstädt, von Herkunft ein schwäbischer Grafensohn, der bei den Dominikanern in Köln die Wissenschaft lehrte.

Juden und Araber hatten dem Meister das Wunder der Wirklichkeit aufgeschlossen: er kannte den Lauf der Gestirne und die magischen Kräfte des Mondes.

Er wußte das tote Geheimnis der Steine zu wecken und sah den Kreislauf der Säfte in allem lebendigen Dasein, er konnte die Kraft der Natur mit mancherlei Künsten ans Tageslicht locken.

So viel und bunt spielte die Macht seines Geistes die Wunder der Wirklichkeit vor, daß er ein Zauberer hieß; und als er ein schlohweißer Greis war, woben die seltsamen Sagen ihm selber ein Wunderkleid: der Teufel, so hieß es, habe die feinsten Fäden gesponnen.