Aber die Königin Jungfrau des Himmels hielt ihre huldreiche Hand über ihm, denn der Zauberer hatte der Kirche das künstliche Rüstzeug gefunden: aus dem Altertum stieg Aristoteles auf, der Priesterstaat zog in die Wohnung der griechischen Weltweisheit ein.
Der Geist der Scholastik fing an, die heidnischen Räume wohnbar zu machen für die kirchliche Selbstherrlichkeit: Albertus Magnus hatte den Einzug geleitet; der dem Volk ein Zauberer schien, war der Kirche sicher genug, ihn heilig zu sprechen.
Die fahrenden Schüler
Wo eine Schule stand, liefen die Schüler zu, und wo eine Schule berühmt war, kamen sie viel; als Albert der Große in Köln lehrte, konnte die Stadt die Scharen der Scholaren kaum fassen.
Eine Burse hießen die Schüler das Haus, wo sie Unterkunft fanden; hunderte summten da ein und aus, und die mönchische Ordnung konnte die Zucht nicht mehr halten.
Sie waren weither gewandert und brachten in Kleidern und Sitten den Straßenstaub mit; unterschlüpfend in Klöstern und Pfarrhöfen, bettelnd bei Bürgern und Bauern tauchten sie ein in den unreinen Strom der fahrenden Leute.
Auch fanden viele das Ufer nicht mehr: ohne Hoffnung, je eine Pfründe zu finden, der Ordnung entwöhnt, dem Wein und der Straßenliebe verfallen, zogen die lärmenden Scharen durchs Land und suchten die Stadt heim, wenn der Winter die Wege verschneite.
Goliarden hießen sie dann und waren die Füchse der fahrenden Leute; wo der Bettel versagte und der Diebstahl gefährlich war, half ihre List, Speise und Trank zu gewinnen.
Sie hatten alle einmal die Messe bedient, das Mirakel war ihnen geläufig; sie wußten die Wundersucht höhnisch zu stillen und hielten sich selber zum Spott das Beispiel der Kirche vor Augen.
Sie waren die Schnapphähne des Zweifels und wußten den Unglauben am Bratspieß zu wenden; sie sangen dem fahrenden Volk lateinische Lieder, aber das Faß stand unter den Füßen Mariens, die himmlische Liebe verlief sich in irdische Löcher.