Die fahrenden Spielleute kannten die alten Sagen und wußten die neuen, sie hielten die Reime und Töne lebendig, sie flochten die Rosen des Tages ein in den Kranz, der im Herzen des Volkes immergrün war.
So wurde aus alten und neuen Gesängen das Volkslied, von Burschen und Mädchen gesungen, wenn sie am Abend in Reihen verschränkt die Straßen des Dorfes abgingen.
Was der Seele des Volkes Gutes und Böses geschah, was in den Brunnen des Mitleids hinein fiel und was auf den rosigen Wolken der Mitfreude schwamm, hoben die zärtlichen Hände des Liedes ins ewige Dasein.
Die Meistersinger
Aber die Straße wurde dem fahrenden Volk nur gestattet, Kaufleute kamen mit Wagen und reisigen Knechten, Ritter zogen zu Hof, und Fürsten zur Jagd mit lautem Gefolge.
Auch saßen zur Herberge abends die Zunftgesellen da, die auf der Wanderschaft waren, mit feierlich stolzen Gesichtern; sie hielten sich fern von dem fahrenden Volk und hatten die eigenen Lieder.
Die Singschulen der Zünfte lehrten die Ehrbarkeit loben; und wie die Höfe den Minnesang, so pflegten die Meister das Preislied des ehrsamen Handwerks.
Denn die Zucht war das Schrittmaß der Zunft, wie das Springseil der fahrenden Leute die Lust war.
Sie hielt dem edlen Gesang peinlich das Tönegericht, sie lehrte die Worte im Reim künstlich verschlingen, sie stimmte die Laute, daß sie bescheiden im Mittelmaß blieb, und hieß das Gefühl in der Ehrbarkeit bleiben.