So waren die Städte der Bürger gebaut: rund um das Weichbild der Stadt lief der Wehrgang auf starker Mauer, durch Zinnen gedeckt und an den Toren mit Türmen und steinernen Treppen gestaffelt.
Spitzige Giebel standen der Gasse entlang, hüben und drüben, und grämliche Tore sperrten die Höfe; die steinerne Halle am Markt trug dem Rathaus die schmuckreichen Säle.
Breit schwang sich der zackige First über die Giebel der Gassen, aber gleich einer Tanne ragte der Münsterturm über das Buschwerk der Dächer.
Weit aus der Ferne grüßte das steinerne Wunder den nahenden Wanderer; sein blaues Gespinst wuchs in die Nähe hinein mit ragenden Massen und stand mit Pfeilern und Pforten, mit Nischen und Narben zuletzt als fleißiges Menschenwerk da. Stein war geschichtet auf Stein, Maßwerk auf Maßwerk gezirkelt, die zackige Schnur seltsamer Krabben war sorglich gemeißelt, Standbilder priesen den Steinmetz und seine kunstreichen Hände.
Seitwärts im Schatten, unter der steinernen Brandung standen die Hütten der Bauleute geduckt; da pochten die Hämmer und klirrten die Eisen, da wurden auf breiten Brettern und Tischen die Risse gezirkelt, standfest und kühn den steinernen Wuchs zu planen.
Denn nun war der Turm nicht mehr die ragende Last runder Gewölbe, wie eine Garbe wurden die Halme dünn und gebrechlich zur Stärke gebunden, Halme aus zierlich behauenen Steinen, die steinerne Blume des Kreuzes zu tragen.
Die Bauleute waren Steinmetze geworden, und ihre Bruderschaft galt über den Zünften; die Bauhütte hütete Zirkel und Richtscheit als hohes Geheimnis.
Strenge Gebräuche und seltsame Zeichen hielten der Steinmetzenkunst uralte Weisheit lebendig: aus dem Morgenland war sie gekommen, durch den blutigen Wechsel der Zeiten heimlich gehütet, aber das Abendland brauchte sie neu im Zeichen des Kreuzes.
Im Zeichen des Kreuzes hielten die Hallen die Vierung, aber das Kreuz auf dem Turm war eine Blume geworden; himmlische Sucht und irdische Lust gaben einander die Hand im Geheimnis hoher Vollendung, das in der Bauhütte stolz und streng behütet war.