Aber die Wirklichkeit wollte den Tag, und der ewige Sinn sank im Wechsel der Sinne.

Die himmlische Ferne verschwand in der irdischen Nähe, und irdische Augen begannen sie warm und froh zu betrachten.

Gott saß im Himmel und hörte die englischen Heerscharen singen, aber der Mensch ging im Menschengewand, die Erde blühte mit irdischen Blumen, und wo eine Stadt war, füllte das Tagwerk die Gassen.

Ein Bürger zu Gent wollte der Kirche Sankt Bavo einen Schilderschrein stiften, und Hubert van Eyck kam aus Brügge, die Tafeln zu malen:

Gott Vater thronte als König des Himmels in einsamer Stille, nur das Lamm bot sich der gläubigen Anbetung dar, darüber die Taube des Heiligen Geistes die ewige Glorie strahlte.

So dachte Hubert van Eyck den Altar zu malen; er hatte die Tafeln mit sehnsüchtiger Andacht gestellt, da ließ ihm das Siechtum den Geist und die Hände ermatten.

Jan aber, sein jüngerer Bruder und Helfer, malte den Bilderschrein fertig; er kannte das Werkstattgeheimnis, mit zarten Lasuren die Gründe leuchtend zu machen, daß sie in gläserner Helle und frischer Farbigkeit standen.

Aber er liebte den Tag und die Wirklichkeit, und wo seinen Bruder die Sehnsucht der Ferne verzehrte, stand er getrost in der Nähe und sah das einzelne gern.

Er malte die Wiesen mit blühenden Blumen und malte den Himmel im zärtlichen Blau, er malte die Falten im Felsgestein und malte das Laub an den Bäumen.

Er malte den Reitern reiche Gewänder und ließ die Rosse stolzieren im Schmuck der Schabracken; er malte den singenden Engeln schwellende Lippen und gab dem Notenpult köstlichen Zierat.