Er malte Gott Vater im Prunkgewand seines Weltkönigtums; und daß seinen Tafeln die Herkunft des Fleisches nicht fehle, stellte er Adam und Eva hinein in gänzlicher Nacktheit.
Alles war naheste Wirklichkeit, mit fröhlichem Eifer betrachtet; alles war irdisches Glück, mit frohen Augen genossen; alles war sinnlicher Glanz, aus köstlichen Farben geflossen.
So zog das himmlische Dasein in Gent ein weltliches Bürgerkleid an; so fand sich die Kunst in den Tag, als Jan van Eyck in Sankt Bavo den frommen Altar seines Bruders zum fröhlichen Bilderschrein machte.
Der Spiegel der Wirklichkeit
Was in Sankt Bavo zu Gent geschah, wurde Saat allerorten: überall waren Bürger aus Wohlstand in Reichtum geraten und wollten Gott und sich selber zu Ehren den Kirchenschmuck mehren; überall hatte die Schilderzunft fröhlich zu schaffen.
Einen Altar zu stiften, wurde der Ehrgeiz des Bürgers, und seine Tafeln zu malen, das Meisterstück in der Zunft.
Wohl gab die Kirche allein die Legende, aber die Bilderkraft sprang aus der Schau und dem fröhlichen Tun des täglichen Lebens: die heiligen Männer und Frauen des Morgenlands mußten die Kleider und Sitten des Abendlands tragen.
So wurde die Herkunft der Christenlegende zum andernmal tapfer ins Deutsche versenkt: die Wälder und Wiesen der Heimat sahen die Jüngerschar schreiten, und die Burg des Herodes stand bei dem Münster der gotischen Stadt.
Aber so wurde die Heilige Schrift auch der Spiegel, in bunten Bildern das Leben der Bürger zu fassen, so wurden die kostbaren Schreine der Kirchen die treuesten Hüter der eigenen Wirklichkeit.
Da ritt der heilige Georg im blinkenden Panzer des Ritters, da wurde Lazarus wach auf dem Kirchhof der Kreuze, da stand das Bett der Maria behäbig an der getäfelten Wand, da war die Krippe im Stall nach heimischer Sitte aus Balken gefügt.