Aber der Gottesfreund lächelte nur und nannte es pfäffische Künste, den Wein mit Hefe zu mischen; denn Jesus der Zimmermannssohn habe zur Einfalt der Jünger geredet und solche Künste der Schriftgelehrten verachtet.
Darüber fiel der gelehrte Mönch in Trauer und Trübsinn und verlor alle Freude an seiner scholastischen Kunst, sodaß die Brüder sein Alter für schwachsinnig hielten und die Beichtkinder seiner lachten.
Zwei Jahre lang blieb er verstört und forschte viel in der Schrift und suchte Gott in der Demut, da ihn sein Hochmut nicht fand.
Als er dann wiederkam auf die Kanzel, ein tief geläutertes Gemüt, war er den Klugen völlig ein Spott, weil er kein Wort zu sprechen vermochte, nur bitterlich weinte.
Da trat ihm zum andernmal heimlich der Gottesfreund bei: Das war die beste Predigt vor Gott und deine Berufung, sein Wort zu verkünden! weil du selber den Weg zur Demut fandest, sei getrost, ihn den andern zu weisen!
So tat der Gottesfreund dem Dominikaner den Mund wieder auf; durch seine Lippen, nicht mehr lateinisch verkünstelt, floß fürder das Labsal des Wortes: Tauler, der evangelische Prediger stand auf der Kanzel zu Straßburg, der die Einfalt und Gnade gleich einem Becher den Dürstenden darbot.
Der aber das Wunder vermochte, der Gottesfreund schwand in die Ferne, aus der er kam, denen, die seiner bedurften, weise und wahrhaft und stark zu erscheinen.
Die gemeinsamen Brüder
Er war weder Priester noch Mönch, Gerhart Groot von Deventer; er hatte studiert in Paris wie andere Jünglinge auch, Theologie und kanonisches Recht, selbst die magischen Künste, und dachte behaglich zu leben von seinen Pfründen als Kanonikus oder Magister.
Da fand ihn das Wort von dem Einen, was not tut; er verbrannte die magischen Bücher, legte den silbernen Gürtel und das sarmatische Pelzwerk ab und ging in ein Kloster – doch ohne Gelübde – den Zweck seines Daseins zu finden aus dem Gewissen.