Das leuchtende Fleisch seiner Hand und Stirn, der rostige Pelz und das dunkle Tuch einer Schaube, der weiße Saum zierlicher Spitzen, die rote Glut des Brokats und der Perlenschaum im Geschmeide: alles tauchte sein Pinsel hinein in den glasklaren Grund seiner Farbe.

Als er in Basel sein großes Madonnenbild malte, klangen die Farben wie Glocken; da war die farbige Fülle des Genter Altars von neuem leibhaftig geworden in einer einzigen Tafel.

Aber die Basler Bürgerlichkeit war zu karg für die Pracht und die Fülle; Erasmus, sein spöttischer Gönner und Freund, half ihm nach England: da wurde Hans Holbein der Maler des Königs und seiner reichen Hofhaltung.

Denn Max, der Kaiser, war tot; kein Fürst und kein Fugger konnte dem Reich den Königshof bauen, der über der Notdurft des Tages der Kunst eine Stätte bereiten, der den prahlenden Reichtum zur edlen Zier hinlenken sollte.

Machtgier und Habsucht hielten das Gold in schäbigen Händen, und wenig fiel ab von den Tischen, daran die Bürgerschaft längst übersatt saß.

Nur die Kaufleute drüben im Stahlhof wurden von Holbein gemalt; die Erbherren der Hansa brachten die Tafeln als köstliches Gut zurück aus der Fremde.

Erasmus

Ein blasses blondhaariges Männchen, Sohn einer läßlichen Liebe zu Rotterdam, aus klösterlicher Jugend mühsam befreit und in Paris den kahmigen Wein scholastischer Wissenschaft trinkend, hatte sich selber Erasmus, das ist der Ersehnte, genannt.

Vorzeitig aus dem Nest gefallen, grämlich begönnert und auf die Gunst seiner Gaben gestellt, fand er beizeiten den sauren Witz; und wo die Humanisten mit Bienenfleiß die Waben bauten, war er die Wespe an den Früchten.

Ob sie in Frankreich oder England hingen, in Florenz oder in Basel, sein Vaterland war überall, wo sich gescheite Köpfe an seiner witzigen Vernunft erfreuten, wo die Poetenschulen der Humanisten ihm Weihrauch schwangen.