So war Erasmus viel und fehl erfahren, als er sein Büchlein vom Lob der Torheit drucken ließ, das bald wie keines auf den Messen Europas hing.
Aus Überdruß geboren und im Spott getauft, hielt Moria, die Torheit selber, dem Abendland dreist ihren Spiegel vor.
Alle Stände ließ sie ihr Zerrbild sehen, die jungen und die alten Gecken am Gängelband der Frauen, Gelehrte und Rhetoren, Schulmeister, Fürsten, die das Volk betrogen, und das Volk selber, das sich willig betrügen ließ.
Alle mußten dem lachenden Leser erst ihren Bocksprung machen, bis mit den Kutten das große Fastnachtsspiel der Torheit begann:
Die Theologen mit den gebleichten Fahnen ihrer Spitzfindigkeit, die dreisten Bettelmönche und die Possenreißer der Kanzel, Bischöfe und Prälaten im Fett der Pfründen, der Statthalter Christi selber mit der dreifachen Krone, im Troß der Schreiber, Stallmeister, Advokaten die Schafe der Kirche scherend.
Kein Sittenprediger aber schliff der Torheit den Spiegel so blank, ein Schalksnarr nur, der viel zu listig war, den Spiegel selber der Fastnacht hinzuhalten, und viel zu lustig im Geklingel seiner Schellen, als daß nicht alle der dreisten Späße lachten.
Da hatte die Kirche die Tollheit kreuzfahrender Völker bestanden und hatte den Kampf mit dem Kaiser gewonnen, sie hatte die Ketzer verbrannt und den Reichtum der Länder in ihre Klöster getan: nun lockte ein listiges Männchen zu Basel den Leviathan hervor.
Ein Jahrtausend war er zur Weide gegangen, die Abendländer zu fressen; als er sich hinlegen wollte, um zu verdauen, stak ihm die Distel im Hals, daß er sich würgte.
Da sahen sie alle die Ohren und hörten die Stimme und lachten das Ungetüm aus, weil der Leviathan doch nur der Esel war.