Nur vierzehn Sommertage fraß die Krankheit noch an dem Lebensrest, darin die Glut der Zeit wie Zunder brannte; dann starb Ulrich von Hutten, der fürwahr ein Fahrender, ein Reiter ohne Roß, ein Herz ohne Hand, und einmal ein Ritter gegen Tod und Teufel war.

Als der deutschen Freiheit Verfechter aber ritt sein geharnischtes Bildnis auf dem Gesprächbüchlein noch lange durch die Hoffnung der Herzen mit seinem Trutzwort: Ich hab's gewagt!

Der Mönch von Wittenberg

Das Lob der Torheit lachte in den Späßen des Erasmus; der Humanismus zahlte den Scholasten den letzten Schimpf; Leo der Medicäer war Papst, und Kaiser Maximilian, der letzte Ritter, starb als die unruhvolle Spindel verblaßter Herrlichkeit: da schlug zu Wittenberg in Sachsen die Stunde der neuen Zeit.

Ein Mönch hob seinen Hammer, das Mauerwerk zu prüfen, darauf im Namen Christi die stolze Gralsburg der Kirche gebaut war; ein Augustiner rief im Gottesstaat der Priester die Losung der deutschen Seele aus; ein Bergmannssohn aus Sachsen trat in den Rat der Fürsten, das Reich von Rom zu lösen.

Er hatte Welt und Würde abgetan nach harten Jünglingsjahren und schmerzensreich in seiner Zelle um Gott gerungen, bis sein Gewissen den Trost der Schrift, sein Glaube den Gnadenquell der Liebe fand.

Von seinem Orden als Lehrer nach Wittenberg gesandt, fand seine Predigt das Ohr des Volkes, und die Inbrunst seiner Lehre zog viel Schüler an, als ihm der Ablaßhandel Predigt und Lehre störte.

Sie schlugen ihre Buden auf gleich Kirmesleuten, mit Höllenpein und Fegfeuer das Christenvolk zu schrecken, mit gotteslästerlichem Witz die Gläubigen zu betrügen, daß sie für einen Groschen den Ablaß ihrer Schuld und die Vergebung ihrer Sünden kauften.

Als aber Tetzel sein Marktgeschrei in Jüterbog anhob, so daß dem Doktor Martin Luther seine Beichtkinder in Wittenberg die Ablaßzettel brachten: da schwoll dem Doktor der gottbemühte Geist im Zorn um diesen Seelenhandel.