Er schlug seine Thesen an die Schloßkirchentür, mit jedem in der Welt zu streiten: daß die samt ihren Meistern zum Teufel führen, die durch den Groschen für einen Ablaßbrief vermeinten, der Seligkeit versichert zu werden.

Es sollte nur eine Streitschrift sein, dem Ablaßhandel zu begegnen, aber es wurde eine Botschaft Gottes daraus; denn wie Gewässer von den Bergen, so fing die Hoffnung an zu rinnen, daß hier ein Herold des Heliands die Wiederkunft verkünde.

Noch schien dem Medicäer der Handel nur Mönchsgezänk; Rom drohte mit dem Finger, die Dreistigkeit zu dämpfen: es sandte Cajetan, den Kardinal, und danach Miltitz, den Kammerherrn; und was der eine hochmütig in die Grube warf, das scharrte der andere mit Taubenklugheit wieder aus.

Schon schien der Trotz des Mönches in Milde eingepackt, da sprang der Schwabe Johann Eck dazwischen mit seiner Feuerzange.

Der hielt sich für den Kirchenvater der neuen Zeit, und er gedachte, mit Gelehrsamkeit den Mönch zu packen, als er den Kühnen nach Leipzig rief, ihm Antwort zu geben auf seine frechen Thesen.

Da focht die fauchende Scholastik den letzten Hahnenkampf; durch zwanzig Tage sprangen die Kämpfer an und ließen Federn, bis der Schwabe zerrupft abfuhr nach Rom, sich einen neuen Dorn zu schärfen.

Der Bannstrahl, der den Salier barfüßig nach Canossa brachte und der dem Hohenstaufen das Henkerbeil zückte, der die Stedinger ausbrannte und den Scheiterhaufen in Konstanz flammen ließ: mit dem traf nun der Medicäer den Mönch in Wittenberg.

Seines Sieges sicher brachte der Schwabe selber die Bannbulle mit; doch war indessen der Doktor Luther hoch in der Gunst gestiegen, und seine Sendschreiben hatten den deutschen Zorn gezückt.

Nicht mehr dem Tetzel galt der Zorn und nicht mehr dem Ablaßhandel, den Kutten nicht und nicht mehr den Ketzerrichtern, dem Wohlleben der Bischöfe und der Priesterverderbnis: er galt der dreifachen Krone der römischen Kirchengewalt.

So konnte der Mönch in Wittenberg wagen, was Jesus von Nazareth tat, da er im Tempel die Tische der Wechsler umwarf und seinen Wehruf über Jerusalem sprach.