Wie er an Weisheit sich Salomo gleichhielt, so sollte auch Salomos Pracht um ihn sein; Knipperdolling der Statthalter sorgte mit scharfem Schwert, daß ihn das Murren des Volkes nicht störte, als er dem üppigen Davidssohn gleich sein Lager mit Weibern und Saitenspiel füllte.

Indessen der König die Freuden des Thrones genoß, ging in den Gassen der Mangel; denn immer noch hielten die Haufen des Bischofs die Tore belagert, und langsam zog der Gürtel sich enger, weil endlich die Fürsten von Hessen, Sachsen und Köln dem Bischof Hilfsvölker sandten.

Wohl schlugen die Täufer tapfer den ersten Überfall ab; als aber der bittere Hunger den Mangel ablöste, als täglich die gläubige Hoffnung enttäuscht auf ein Wunder harrte, als endlich Verdruß und Verrat dem Feind einen Schleichweg aufmachte: da sank dem Schneider und Schenkwirt aus Leyden sein Königreich hin.

Grausam mußten die Täufer den Traum ihrer Davidsburg büßen; wie Jerusalem fiel, sank Münster in Asche und Blut; der sich den König der Welt nannte, hing im eisernen Käfig außen am Kirchturm, den Menschen zum Spott und den Vögeln zum Fraß.

Die Landeskirche

Indessen die Schwarmgeister der Schrift so blutiges Schicksal entfachten, blieben die Männer in Wittenberg treulich dabei, dem Glauben das Wohnhaus zu bauen.

Kaiser und Kirche waren die Mächte der alten Welt; von beiden verworfen durch Acht und Bann, stand Luther im Leeren: die Schrift in der Hand und der Landesherr über ihm waren seine Gewalten.

Friedrich der weise Kurfürst von Sachsen schätzte den Mönch und seinen Magister, obwohl er sich selber bedachtsam zurückhielt; das sächsische Land stand schon im neuen Bekenntnis, da war er noch streng in der Kirchenpflicht, und erst auf dem Sterbebett nahm er das Abendmahl.

Der aber das sächsische Land und die Männer von Wittenberg erbte, Johann der Bruder Friedrichs des Weisen, bekannte sich frei zu den Ketzern der Kirche; ihm wurde Luther vertraut, und er hörte auf ihn.