Er machte, daß Luther den Schutz seiner Gemeinde in die Landesgewalt stellte, daß er die Kutte der Kirche auszog für einen fürstlichen Predigerrock.
Mensch sein auf Erden hieß einer Obrigkeit untertan sein; konnten die Gläubigen nicht mehr der römischen Kirche gehorchen, so mußte die Landesgewalt die Predigt behüten, der Landesherr selber stellte die höchste Kirchengewalt vor.
So bauten die Männer in Wittenberg abseits der Kirche dem evangelischen Glauben das Wohnhaus; Johann der Kurfürst von Sachsen wurde der Hausherr des gläubigen Geistes, wie er dem irdischen Leib die Obrigkeit war.
Was aber in Sachsen geschah, wurde auch sonst im deutschen Land als sächsisches Kirchenrecht gültig: der Landesherr erbte die Kirchengewalt und erntete die Güter der Kirche.
Wittenberg blieb dem Schwarmgeist zum Trutz die Werkstatt des evangelischen Glaubens; er hatte die Freiheit des Christenmenschen gegen die Kirche entfesselt, aber daß sein Gewissen nicht Irrwege ginge, band er es wieder im Wort der Schrift.
Die Männer von Wittenberg mußten nicht mehr mit großen Gebärden Unmögliches tun; sie wirkten gemeinsam an ihrer amtlichen Pflicht und konnten den Feierabend wohl mit Fröhlichkeit füllen.
Luther, der todblasse Mönch auf dem Reichstag und die Stimme des deutschen Gewissens, war selber ein Hausherr geworden, der seinen Tisch gern mit Gästen besetzt sah und seiner Frau Käte samt ihren Kindern die Armut und Härte der eigenen Jugend heiter vergalt.
Er wurde nicht mild wie alter Wein, sein kränklicher Leib schaffte ihm harte Beschwerden, auch war seine Streitlust geneigt, streitsüchtig zu werden; der ein Apostel gewesen war, die rufende Stimme und der Held seines Volkes, ging in der Täglichkeit unter.
Aber so tat er das schwerste: die Flügel des Geistes hatten gewaltig um seine Stunden gerauscht, als er die Zelle verließ, aber der todblasse Mönch hatte den Mann, nicht den Aufruhr gerufen; nun war er selber ein Jünger und Protestant, die Täglichkeit mit Hörnern und Zähnen zu packen, statt sie im Groll zu zerschlagen oder nach heiliger Sitte sie hadernd zu lassen.