Durch die spanische Hand ging dem Reich uraltes Stammland verloren: an der Mündung wie an den Quellen des Rheins saßen nun freie Völker, indessen die Fürstengeschlechter im Reich einander das Futter abfraßen.

Donauwörth

Im Niederland hatten die Ketzer gesiegt, im Reich war die Kirche wie Schnee im Frühjahr geschwunden; aber die Jünger Jesu warfen den Samen nicht in den Wind: schon stand die heimliche Saat dicht vor der Ernte, als Max, der bayrische Herzog, zu Donauwörth den ersten Wagen in seine Scheuer einbrachte.

Eine Reichsstadt war Donauwörth, und die Bürgerschaft hatte längst ihren Tag in die deutsche Predigt gestellt; nur der Abt zum heiligen Kreuz hielt das Kloster der Benediktiner, dicht vor der Stadt.

Aber nach Dillingen war es nicht weit, wo die Jesuiten ihre deutsche Pflanzschule hatten; die Nachbarschaft stärkte dem Abt den katholischen Rücken, und was das Kloster seit Jahren nicht wagte, den prunkvollen Umzug der Kirche begann es nun wieder.

Sie trugen die Fahne zuerst nur gerollt und mieden die Straßen am Markt, aber der Eifer von Dillingen wetzte den Mut und die Hoffnung auf stärkeren Beistand: die Fahne des heiligen Kreuzes entrollt, mit vollem Gepränge und lautem Gesang, so kamen die Mönche in die Straßen der evangelischen Stadt.

Wie sie vor Zeiten mit frommer Fröhlichkeit taten, geschah es nun wieder; doch knieten die Männer und Frauen nicht mehr, wo sie kamen: mit grollenden Mienen sahen sie längst verspottetes Tun ihr Tagwerk durchkreuzen, vergessener Zorn eiferte los und fuhr mit Fäusten darein.

Es war kein Bauernkrieg mehr, es war nur ein böser Tumult in den Gassen, zornige Männer und hitzige Mönche balgten sich um die Fetzen der Fahne, indessen die Frauen und Kinder erschrocken den letzten Gesang überschrieen.

Kein Landesfürst galt in der Reichsstadt seit zweihundertfünfzig Jahren, ihr einziger Herr war der Kaiser; aber die Jesuiten in Dillingen wiesen dem Abt vom heiligen Kreuz die Wege nach Prag.