Und wenn sie mit Ketten am Himmel hinge, sie müßte herunter! prahlte der Herzog; aber die Bürger von Stralsund hatten die Taten der Geusen vernommen: so hitzig sein Kriegsvolk die Wälle berannte, sie hielten ihm stand.
Denn der sonst hinter den Wällen der böseste Feind war, der Hunger konnte die Stadt nicht bezwingen; höhnisch vor seinen kurzen Kanonen gingen und kamen die schwedischen Schiffe, Brot und Waffen, Pulver und Kriegsvolk zu bringen.
Soviel die Wälle zu verbergen vermochten, warfen die Dänen und Schweden Truppen hinein; Stralsund war in Wahrheit der Schlüssel des Nordens, die Könige hielten dem Kaiser das Schloß mit dem Schlüssel gesperrt.
So ging dem Herzog von Friedland sein harter Schwur fehl; er hatte die Länder gekehrt mit eisernem Besen von Ungarn bis Jütland, er war über Fürsten und Völker mit seinem Kriegsvolk gekommen: an der kalten Meerküste mußte sein Stolz die Schranken erkennen; und wie es Alba geschah vor den Geusen, so wich der Schatten Wallensteins zurück vor Stralsund.
Das aber war zu der Zeit, da die Kurfürsten der Liga den Tag in Regensburg hielten: sie wollten den Hochmut des Herzogs nicht länger ertragen und zwangen den Kaiser, sich selber den starken Arm abzuschneiden.
Der Friedländer wäre mächtig genug gewesen, den Fürsten zu trotzen, aber Seni, sein Sterndeuter, hatte ihm andere Dinge geweissagt; so ging er mit lächelnder Miene nach Böhmen in seine stolze Verbannung, wartend des Tages, da sie zum andernmal seiner bedürften.
Denn schon war an der rügischen Küste der schwedische König erschienen, Kaiser und Kirche zum Trotz sein Schwert an die Bibel zu wagen.
Magdeburg
Lutherische Prinzen regierten seit langem die reiche Bischofsstadt an der Elbe, sie hießen Verweser und hatten der geistlichen Würde entsagt, die weltliche Macht zu behalten; aber der letzte Verweser, Christian Wilhelm von Brandenburg, wurde vom Kaiser geächtet: ein Bruder des Kaisers sollte wieder katholischer Erzbischof in der Ketzerstadt sein.
Kaum standen die Schweden in Pommern, so schlich sich der Prinz heimlich zurück in die Stadt und stärkte die Hoffnung der Bürger, daß nun die Tage der evangelischen Freiheit nach langer Bedrängnis anbrächen.