Als Frankreich danach im Frieden zu Münster das Habsburger Erbland im Elsaß bekam, blieb Straßburg wie eine stolze Bastei der alten Reichsherrlichkeit stehen.

Sein Münster, durch Erwin von Steinbach herrlich erhoben, hielt seine Hallen der evangelischen Lehre geöffnet; und ob durch die Tore die Gunst von Versailles prahlend herein ritt, die Bürgerschaft ließ sich nicht locken.

Nur die Geschlechter äugten sehr nach der welschen Sonne; und der Bischof Franz Egon von Fürstenberg hielt der Sonne den Spiegel: er wollte die Messe im Münster lesen, und Straßburg die Reichsstadt sollte ihm wieder als Bischofsstadt untertan sein.

Er legte die Schlinge, und als sie mit List und Bestechung bereit war, zog die Gewalt zu; es war im September, da die Kaufleute mit ihren Knechten die Messe in Frankfurt bestritten, als das Heer der Franzosen vor Straßburg erschien.

Mitten im Frieden sahen die Bürger blanke Geschütze auf ihre Tore gerichtet; der Kaiser saß fern in der Hofburg, und viel zu stark stand das welsche Volk vor den Wällen.

Auch waren im Magistrat zuviel Augen betört durch das Gold und die Gunst von Versailles; am dritten Tag ritten die Reiter der Lilie mit Hörnergeschmetter ein in die Gassen: keinen Schuß und Mann hatte den König von Frankreich die deutsche Reichsstadt gekostet.

Und als nach einem Monat die Sonne selber die Stadt und das Münster beschien, stand der Bischof davor aus einem deutschen Fürstengeschlecht, den neuen Herrn zu begrüßen, und lästerte laut mit dem Wort, das Simeon sprach, als er im Tempel das Knäblein begrüßte:

Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden einfahren; denn meine Augen haben den Heiland gesehn! so sagte ein deutscher Fürst und Bischof dem König von Frankreich, als er in Straßburg als Räuber einzog.

Die Erbschaft der Liselotte

Die Fürsten Europas waren vervettert, aber den Zank um die Erbschaft mußten die Völker bezahlen.