Auch hatte der Kaiser die Fürsten und Stände betrogen; ein Reichstag sollte – so stand es im Frieden von Münster – die neue Verfassung beschließen; aber die Hofburg wollte die Krone aus eigener Vollmacht beerben, die Kurfürsten sollten dem Habsburger Erbkaisertum nur noch den Prunkmantel halten.

Als darum der dritte Ferdinand starb, mochten die Kurfürsten am Rhein seinen Sohn Leopold nicht mehr erwählen; Kaiser im Reich und am Rhein sollte Ludwig der Vierzehnte heißen, weil er im Abendland längst der mächtigste König und für die Fürsten das Götterbild ihrer Macht war.

Mehr als ein Jahr lang zogen sie kläglich die Wahl hin, die Gunst und das Gold von Versailles strömten die Fülle über den Rhein; aber der bängliche Kurfürst von Bayern verdarb das französische Spiel: die rheinischen Herren mußten in Frankfurt den Habsburger krönen.

Aber am andern Tag saßen sie da um die Gunst und das Gold von Versailles und schwuren den Bund mit dem König von Frankreich; drei Kurfürsten mit ihren Trabanten versagten dem Kaiser die Treue und verrieten den Rhein und das Reich an den Todfeind der Habsburger Macht.

Denn nicht nur heimlich stand Ludwig der Vierzehnte Pate, er selber trat mit in den Rheinbund; die Gnadensonne von Versailles lag auf den fürstlichen Händen, als sie den treulosen Pakt unterschrieben.

Straßburg

Eine Reichsstadt war Straßburg seit Urvätertagen, und deutsches Leben hatte dort seine vornehme Werkstatt gehabt; als der Kaiserglanz noch am Rhein seinen Auf- und Untergang hatte, stand es im Mittag reichsdeutscher Macht.

Eckhart der Meister und Tauler der Prediger, Murner und Brant fanden in Straßburg Ohren und Herzen, die schwarze Kunst Gutenbergs hütete hier ihr erstes Geheimnis.

Auch als das Gewitter um Luther und Zwingli schwarze Sturmwolken brachte, hielt Straßburg die Reichsfreiheit hoch und war dem Bund der evangelischen Fürsten eine wehrhafte Stütze.

Jakob Sturm, sein Stättmeister, stand stolz unter den Fürsten des Reiches; kein Herzog und Bischof konnte am Oberrhein wagen, Straßburger Bürgerrecht anzutasten.