Da sprangen die Wasser, da lockten die hellen Terrassen den Blick in die weiten Alleen, da schritten die Seidengewänder die breiten Treppen hinauf und hinunter, da hielt die rauschende Pracht vor sich selber den Atem an.
Denn irgendwo drinnen wohnte der König und war in den schimmernden Schalen wie eine Perle geschützt; durch den Marmorsaum herrischer Hallen, unter den wuchtigen Decken prahlender Säle führte der zögernde Schritt hinein ins Geheimnis der Macht.
Aber kein Fuß durfte ihn gehen, der nicht von hoher Geburt und durch die Gnade des Königs bestimmt war; denn wie die Macht seiner Heere, so war die Pracht seines Hofes allein auf die Gunst seiner Augen gestellt.
So sahen die Fürsten Europas die Sonne der neuen Herrschergewalt: kein Schwertkaiser mehr, der im Harnisch vor seinen Rittern durchs Stadttor einritt nach ruhmvollen Taten, kein Richtkaiser mehr, der auf dem Marktplatz den goldenen Stuhl hatte.
Reiten und richten war eine Pflicht im Tagwerk der Diener geworden, der König gab nur die Gunst ihrer Stunden; sein Dasein war aus der Wirklichkeit fort in das freche Theater der fürstlichen Allmacht gegangen.
Alliance du Rhin
Ein halbes Jahrtausend und mehr hatte das Reich am Rhein seine Heimat gehabt; nun saß der Kaiser im Osten, dem Ohr und den Händen der geistlichen Kurfürsten fern, indessen die Gnadensonne von Westen reichen Glanz über ihr Fürstengewand schien.
Denn nun kam die Zeit, da die Fürsten des Reiches Abgötter bourbonischer Herrlichkeit wurden, da die Pracht von Versailles die Höfe betörte, da die Kurfürsten den rheinischen Trutzbund schwuren gegen den Habsburger Kaiser.
Sie liebten als Priester Pracht und Gepränge und wollten als Fürsten Hof halten, wie Ludwig der Vierzehnte Hof hielt in Versailles; aber die Hofburg in Wien war der fürstlichen Pracht und fröhlichen Weltlust verschlossen.