Er malte die Männer und Frauen der Stadt auf seine Tafeln; so reich war sein Glück, daß er die derben Gesichter und weißen Halskrausen leuchtend damit übergoß.

Aber wenn ihn der funkelnde Reichtum ganz überschäumte, dann malte er Saskia; und nie stand die sinnenfrohe Jugend so glühend im Glück, wie er das liebe Gesicht und die Hände, den selig gebeugten Nacken in bernsteingoldener Lichtflut verklärte.

Sechs Jahre nur währte die glühende Hochzeit, dann starb ihm das jubelnde Licht in die Dunkelheit hin; aus allen Raumtiefen krochen die Schatten heran und wollten sein eigenes Licht heimholen in ihren dunklen Bereich, wo Saskia war.

Der Tod war das dunkle Geheimnis, darin sich jede Flamme und jeder Lichtstrahl verirrte: aber der Tod war auch die unendliche Weite, daraus sich das irdische Leben im Licht seiner Augen endlich abgrenzte.

Das war die Zeit, da Rembrandt die Schützengenossenschaft malte, die im Sonnenschein auszog zur festlichen Freude, und die eine ängstliche Insel des Lichts in der brandenden Dunkelheit, eine Nachtwache wurde.

Der Gram saß mit ihm, und bald kam die Sorge als dritte dazu, er konnte die derben Gesichter und weißen Halskrausen nicht mehr besonnen; der ein Märchenprinz war, konnte nicht mehr seine Schulden bezahlen.

Es war ein Hammer in Amsterdam, der klopfte zum ersten, zum zweiten und dritten, und als er zum drittenmal klopfte, war es sein kostbares Haus und alles Geschmeide und all das edle Gewand, das Saskia trug.

Hendrikje hieß sie, die tapfere Magd, die dem darbenden Mann alles zubrachte, was sie besaß: ihre schaffenden Hände, ihre dienende Treue und furchtsame Liebe und ihren gesunden Leib.

Sie lebten zusammen, die Magd und der Meister, und ihre Beharrlichkeit hielt ihm die Kammer, darin er mit schwerer Hand und suchenden Sinnen seine letzten Tafeln und Leinwände bemalte.

Das Licht war eine düstere Glut in seinen Augen geworden und seinem Bruder, dem Schatten, unheimlich verwandt: Berge und Bäume und all die vertrauten Gestalten der Bibel tauchten nun auf aus der dunklen Tiefe, wie ein Feuer bei Nacht brennt.