Der Sohn des großen Kurfürsten war nur ein schwaches Gewächs; aber sein Ehrgeiz brannte die flackernde Flamme, König zu heißen, statt nur ein Kurfürst des Reiches zu sein.
Kurfürst des Reiches hieß er in Brandenburg; als Herzog in Preußen jedoch war er dem Kaiser nicht untertan, dort saß er aus eigenem Thronrecht.
Herzöge in Preußen waren die Hohenzollern, seitdem Albrecht von Brandenburg, der letzte Hochmeister, das Ordensland Preußen zum weltlichen Fürstentum machte und seinem Hause vererbte.
Aber der Kaiser konnte dem Herzog in Preußen den Königstitel verwehren, weil er ein Reichsfürst war: sieben Jahre lang mußte der Kurfürst von Brandenburg an der Hofburg in Wien Bittsteller sein, bevor seine Stunde kam.
Der Kaiser brauchte Soldaten zum spanischen Erbfolgekrieg und Friedrich der Kurfürst mußte ihm für die preußische Krone mehr als die reichsfürstliche Heerfolge leisten.
So kam der Prinz Eugen zu den preußischen Truppen, die bei Turin, bei Höchstädt, in Flandern und Frankreich tapfer den Ladestock hielten; und der Dessauer fluchte dazu seine Schwüre.
Die Schwüre und Flüche störten den Kurfürsten nicht, als er in Königsberg die bebende Hand nach der Krone ausstreckte; er war in Scharlach gekleidet mit Knöpfen aus Diamant, deren jeder ein stattliches Bürgerhaus wert war.
Juweliere und Schneider hatten das ihre getan, aus ihm einen König zu machen; auch ließ er sich salben mit Öl und hatte zwei Bischöfe ernannt, die sonst ehrsame Prediger in Königsberg waren, daß sie den kirchlichen Pomp an ihm übten.
Das Volk aber konnte die Freuden des Tages wie bei der Kaiserkrönung in Frankfurt genießen: der Weinbrunnen floß, und der Ochs am Spieß bot seine gebratenen Lenden den lüsternen Mäulern dar.
Der Sohn des großen Kurfürsten war nur ein schwaches Gewächs; aber der Hermelin deckte die kränklichen Schultern, als er im Glanz der neuen Königskrone zurück nach Berlin kam.