Sie stärkte den Bauernstand gegen die adligen Herren, sie sorgte für Schulen und baute Spitäler; wo eine Not war, kam ihre Hilfe, und wo ein unmenschlicher Brauch quälte, wie bei der Folter, schnitt sie das Unrecht der Herkunft ab.

Eine fleißige Schaffnerin saß in der Hofburg und ging durch die Straßen von Wien, Ordnung zu halten; eine Mutter und weiße Matrone lächelte auf dem Thron und nahm die Liebe des Volkes als Dank.

Und als ihr der Tod kam, der um den einsamen Spötter in Sanssouci hüstelnd herum ging, war ihren Völkern das eigene Blut abgestorben: wie Kinder weinten am Sarge Maria Theresias Männer und Frauen, ihr schmerzvolles Begräbnis hatte ein Bürgerkleid an.

Joseph der Zweite

Ein silberner Mond schien über Wien und das österreichische Land, da Maria Theresia Hausfrau und Kaiserin war; aber ihr hitziger Sohn ging auf in der Frühe als ein sehr starker Komet.

Er sah den Stern von Sanssouci strahlen, und schon dem Jüngling entbrannte der Ehrgeiz, sein grelles Gefunkel zu überglänzen: was Friedrich als König in Preußen dem Volk schuldig blieb, das wollte Joseph der Zweite im Reich als Kaiser bedeuten.

Fröhlicher als sonst eine Krönung wurde die seine in Frankfurt gefeiert; der schlanke Jungmann, leutselig und licht gegen jedermann, gefiel der staunenden Menge; nur die Fürsten und Räte der Reichsherrlichkeit krausten die Stirnen.

Sie sahen den Ehrgeiz auf andere Dinge als auf den Glanz der Reichskleinodien gerichtet, sie hörten den Habsburger Hochmut in seiner Leutseligkeit knistern und waren besorgt, das Reich möchte wiederkommen.

Als der Kaiser dann hitzig anfing, den Staub auszuklopfen, als er dem Reichshofrat und dem Lindwurm des Reichskammergerichts hart auf den Leib rückte, als das Gespenst eines klaren gemeinsamen Reichsrechtes die Hüter des Lindwurmes erschreckte: fing heimlich und boshaft der Widerstand an.

Der scheckige Reichsmantel war aus den Lappen und Flicken der Fürsten und Fürstchen geschneidert; als Joseph der Kaiser ihn nach dem prunkvollen Umstand der Krönung anziehen wollte, rissen die Nähte.