Der Staat, das bin ich! sagte auch Joseph der Zweite und wollte den Völkern Gerechtigkeit bringen; aber sie waren das Unrecht gewohnt und wollten lieber darin verharren, als der Herkunft der Väter ungetreu sein.

Wie Karl der Fünfte einst in St. Just legte der sterbende Kaiser die Zügel der Herrschaft hin; die Kronländer für Habsburg zu retten, zerriß er mit fiebernden Händen die neuen Gesetze.

Nur unter den Armen in Wien, die er aus Willkür und Unrecht befreite, blieb sein Bild rein im Gedächtnis: seine Mutter hatte das Land in der alten Ordnung gehalten und starb mit Liebe gesegnet, er wollte die neue Gerechtigkeit bringen und siechte im Haß hin.

Die Pompadour

Die zierliche Frau eines Zöllners hatte den König von Frankreich gefangen, wie ihn die Hofdamen fingen; als seine Gier ihres Leibes satt war, ließ sie den König getrost seinen weiteren Lüsten, aber den Hof und die Macht ihrer Stellung behielt sie klug in der Hand, sodaß sie die heimliche Königin wurde.

Sie hieß nun Marquise von Pompadour, und die Großen der Welt mußten nach ihrer Gunst gehen, die eine geborene Fisch und eine Zöllnersfrau war.

Denn anders als sonst eine Königin war diese zierliche Frau; sie kannte die wirklichen Mächte der Welt und wußte, daß Macht haben allein ihr kluger Gebrauch sei.

In dieser Klugheit wußte sie trefflich die Fäden zu flechten; und weil der König von Frankreich ein blödes Tier, sie aber ein handfestes Weibsbild war, so hielt sie das Land vor böseren Dingen bewahrt.

Auch stand ihr zierliches Bild gut in dem Rahmen, den ihr die Kunst der galanten Zeit gab; denn nun war der höfische Prunk zum köstlichen Zierat geworden, den sie das Rokoko hießen.

Der Altsilberglanz chinesischer Seiden, die zärtliche Kühle des Porzellans, die launischen Formen und Farben der Teller und Kannen waren im Abendland Mode geworden, darin es fremd gespiegelt ein neues Gesicht fand.