Die gläsernen Leuchter weißgoldener Säle ließen auf blumigen Seidengewändern kristallisches Licht spielen; Stühle und Tische standen mit zierlich gebogenen Beinen auf blankem Parkett; Rahmen von Altgold hielten gleich Ranken die Ränder verschnörkelter Spiegel; auf dem Marmorkamin blinkten die Silberfiguren der Standuhr.

Alles war hell und kühl wie ein Frühlingstag, darin die Damen auf Stöckelschuhen spazierten; alles war leicht und verschnörkelt wie die Scherze, damit die spitzengeschmückten Herren die Herzen der Damen gewannen.

So war die Welt, darin die Marquise von Pompadour Königin spielte; so war der Traum von Versailles, darin der Adel des Abendlands leichtsinnig lebte; so war der Hof, darin der König faul und verachtet sein Dasein hinbrachte.

Als die Pompadour starb und die rote Dubarry dem alternden König ins Bett kam – die eine Dirne war und eine Gräfin wurde – brach der Untergrund all dieser Zierlichkeit durch: das Laster legte die Maske der Wohlerzogenheit ab und war nur noch freche Gemeinheit.

Das war die Zeit, da der Neffe des Menschenverächters in Sanssouci sein verächtlicher Nachfolger wurde, da die Fürsten in Deutschland sich eine Pompadour hielten, da die adligen Herren auf Kosten der Bürger und Bauern einen fröhlichen Himmel auf Erden genossen.

Aber schon blies der kalte Wind in die fröhlichen Lichter; als Ludwig der Fünfzehnte in seinen Lüsten verdarb und Ludwig der Sechzehnte den Namen des Königs von Frankreich wieder ehrlich machen wollte, war es zu spät für den redlichen Eifer.

Maria Antoinette

Als die Habsburger Prinzessin nach Frankreich fuhr, Gemahlin des Dauphin zu werden, war sie fast noch ein Kind; sie machten ein Feuerwerk in Paris, ihr zu Ehren, es wurde ein großes Unglück daraus, und viele Menschen verbrannten: der Brandgeruch blieb in den Kleidern der blonden Prinzessin.

Die Tochter Maria Theresias hatte die ehrbaren Lehren der Mutter im Sinn, aber ihr Köpfchen stand nach den Freuden der Jugend: sie wollte gut und gerecht sein und eine tapfere Königin werden, ihr eigener Tag aber sollte der fröhlichen Laune gehören.