In Trianon draußen die schelmische Schäferin spielen, schien ihr viel schöner und freier, als in der starren Pracht von Versailles Königin sein.

Aber die Zeit war vorüber, da die Könige Blindekuh spielten; indessen die Königin harmlose Fröhlichkeit naschend in Trianon ging, hing an den Gittern der Groll, und die Not zählte die Stunden, die der Königin sorglos verflogen.

Der Staat war in Schulden, und drückende Steuern hielten die Last nicht mehr hin; das Land war leer, und das Volk sah mit Grimm den prahlenden Reichtum, indessen ihm längst das Nötigste fehlte.

Auch war das niedere Volk nicht mehr verlassen: kühne Schriften gingen ins Land und glühende Herzen riefen nach einer anderen Gerechtigkeit, als daß nur einer das Leben genoß, indessen Hunderte seufzten.

Was in dem Himmel der Priester verheißen war – die selber die Erde genossen – das sollte wahr werden in der irdischen Wirklichkeit; in den Gassen der Städte und draußen im Acker waren die Flüche und Fäuste bereit, das verheißene Reich zu erzwingen, wo Freiheit und Gleichheit und Brüderlichkeit waren.

Ein Diamantenhalsband ging übel verloren: die Königin habe den Schmuck mit Liebesstunden bezahlt und Rohan, so hieß es, ihr zärtlicher Freund, müsse die Falschheit der Königin öffentlich büßen.

Eine Schwindlerin hatte der Welt den üblen Spaß angerührt; wie der Brandgeruch an der blonden Prinzessin blieb nun der wilde Verdacht an der Königin haften: der Groll an den Gittern entbrannte zum Haß.

Da war das harmlose Spiel in Trianon aus, die fröhliche Schäferin mußte die leidvolle Königin spielen; die Lehren Maria Theresias wurden wach, aber nun war es zu spät, ihrer zu achten.

Die gläsernen Leuchter der Fürsten waren herunter gebrannt, kein Diener kam mit den Kerzen; es wurde dunkel im Schloß zu Versailles; nur über der brodelnden Nacht von Paris lag wieder der fahle Schein des Brandes.

Als danach der Tag kam, hatte der Brand den Traum von Versailles verschlungen, in der Wirklichkeit wurde die Königin wach: ein Fallbeil stand zu Paris, ihr den blonden Kopf abzuschlagen.