Mozart

Ein Wunderkind kam nach Wien; ein Knabe aus Salzburg, Mozart geheißen, spielte der Kaiserin auf dem Klavier, und alle die Herren und Damen Maria Theresias staunten, wie solch ein Kind schon ein Zauberer wäre, mit seinen Tönen den süßen Genuß der Gefühle zu lenken.

Und wie in Wien, geschah es in London, im Haag, in Paris: überall staunte das Kerzenlicht um den Knaben aus Salzburg, der das Klavier gleich einem Großen zu meistern verstand.

Lärmender Beifall und lockender Ruhm war um den Knaben, aber der strenge Vater ließ ihn nicht locker in der Zucht seiner Kunst: Beifall und Ruhm sollten seiner Musik nicht die Quellen verschütten.

Vor den Herren und Damen der Höfe zu spielen, war nur ein Gauklergewerbe; aber den Menschenseelen Gesang und dem Wohllaut der Geigen, Flöten und Hörner harmonische Fülle zu geben, hieß ein Musikmeister der Ewigkeit sein.

So wurde das Wunderkind Mozart ein Jüngling und Mann, der seiner Musik den echten Zauberstab hielt; so wuchsen dem Rosenjahrhundert der Pompadour Flügel, in den Himmel der Töne zu fliegen.

Als Maria Theresia starb, rief Joseph, ihr schwärmender Sohn, Mozart nach Wien, daß er sein Kammermusikus würde; doch hatte der hitzige Schmied kühner Herrscherpläne kein Ohr, das Wunder der Töne zu hören.

Indessen der Kaiser den Blasebalg zog, das störrische Eisen der Herkunft zu schmieden, indessen sein Hof ein kühner Gedankenplatz war, indessen die Stadt an der Donau, unbesorgt solcher Gedanken, die Fröhlichen lockte mit reichen und rauschenden Festen, saß Mozart in mancher Bedrängnis.

Er hatte die schöne Konstanze gefreit, und sein Klavier stand nicht still, um die Gulden zu spielen, die seine Frau fröhlich verbrauchte; auch waren die welschen Musiker dem Neuling aus Salzburg feind, und den Höflingen galt er als eine Marotte des neuerungssüchtigen Kaisers.