Keine Donnergewalt fiel ihren Sang an, und keine selige Flöte hieß ihn verstummen, der Sang war in Gott und Gott in ihm, weil jenseits von Zeit und Raum die Harmonie in der Ewigkeit schwebte.

Auch wenn der Meister die Stimmen der Orgel allein in den Raum sandte, gingen sie nicht wie Fremdlinge hin über die Ohren der Leute; jede stieg aus der Erde der Toten ans Licht, und jede fuhr in den Himmel, die staunende Seele auferstand mit.

Und ob es schwingende Geigen und blasende Hörner, ob es Schalmeien und Flöten, Fagott und Klarinetten, ob es ein Saitenklavier oder ein menschlicher Stimmenchor war: immer entzückte der Meister das starke Geheimnis, daß eine Stimme Antwort im Raum, starke Begleitung und seliges Glück in der Gemeinsamkeit fand.

Aber das Wunder wurde Erscheinung, wenn er den ganzen Heerbann der Stimmen aufriß, wenn das große Orchester den hundertstimmigen Chor nahm und gegen die Orgelgewalt herrlich anstürmte: dann baute der Meister noch einmal die Schöpfung über dem ewigen Abgrund.

Sünde und Schicksal, Schuld und Versuchung, das dunkle Leid und die blitzende Lust sanken zurück in die Allmacht, daraus sie kamen.

Wohl brandete die Hölle und wohl traf der Tod, aber ihr Sieg und sein Stachel lagen beschlossen in Gottes allgütiger Hand; tiefer als Trauer und Furcht, höher als Freude und Hoffnung trugen die Flügel der Gnade und Liebe die Seele in Ewigkeit hin.

So war der Meister und so war seine Musik, und die seine Schöpfergewalt spürten, ahnten nicht das Geheimnis, daß in den Tönen bereits das Himmelreich war, das ihre Gläubigkeit jenseits erhoffte.

Die Pietisten

Blut und Verwüstung des Krieges hatten die Herzen der Harten nicht zu erweichen vermocht: in Wittenberg saßen die Pfaffen nicht anders als vormals in Rom, die geistliche Herrschsucht hatte ein neues Kirchenkleid angezogen.

Ein Prediger kam aus dem Elsaß nach Frankfurt, Jakob Spener geheißen, und anderen Geistes, als ihn der Hochmut der lutherischen Kirchenobrigkeit kannte.