Sie sahen die Jugend spielen im Hof unter Bäumen, nackten Leibes in Wind und im Regen und ihrer Gliederkraft froh; sie sahen die Mütter Feldarbeit tun im Kreis der lachenden, singenden Mägde.
Sie sahen die Männer heimkehren, müde der mühsamen Jagd in den Wäldern, sahen sie sitzen im Schmuck ihrer Waffen zum Rat der Gemeinde, sahen sie richten und dem Gesetz die Waage mit Freimut und Unbeugsamkeit halten.
Sie sahen ein Bauerngeschlecht sein einfaches Tagewerk tun, sahen es sorgsam gefügt in Sippen und Gauen und fest in der Pflicht der Gemeinschaft, sahen es fröhlich und stark und stets gerüstet zum Kampf, wenn das Kriegsschwert die Mannschaft der Dörfer aufrief zum Volksheer der Stämme.
Sie sahen die Fürsten geehrt im Glanz der Edlen und Freien, sie sahen die Jünglingsschar trotzig und waffengeübt und lüstern des Tages, da der Krieg Heldenruhm brachte.
Sie sahen die Frau als freie Genossin des Mannes, und sahen, wie Treue um Treue, Reinheit und Stolz ihr Ehrenkleid waren.
Sie sahen die Brandung unbändiger Kraft gemeistert in Zucht und Gehorsam und ahnten den Tag, da die Springflut anstürmte und der Deich mit der Stachelschnur seiner Kastelle zu dünn war für die Gewalt.
Tacitus
Als Tacitus seine Germania schrieb, mit warnenden Worten zu sagen, was für ein Land hinter der Stachelschnur seiner Kastelle Rom unbekannt sei und was für ein Volk darin wohne: war Domitian, der feige Prahler und Wüstling, römischer Kaiser.
Der Weltherrschertraum des Augustus, weit und glücklich begonnen, hatte zur Wirklichkeit Neros geführt; über dem Recht der freien Gemeinde hing das Schwert der Tyrannen, der Senat trug den Purpur der Kaisergewalt.
Die Kaisergewalt war der Kriegsknecht: mit gallischen Söldnern kam Cäsar nach Rom, den Senat zu bekriegen, in allen Provinzen der römischen Weltmacht waren die Legionen des Kaisers geworben, die aus dem Volksheer der Römer die Herrschaft der Kriegsknechte machten.