Ein Krake war das Weltreich der römischen Kaiser, soweit die Greifarme der Legionen reichten, fraß er die Länder leer von Persien bis nach Britannien, aber der Bauch saß am Tiber.
Der Bauch saß am Tiber und wurde kraftlos an seinen eigenen Gliedern: Zucht war die Tugend des römischen Bürgers gewesen, aber die Kaisergewalt hatte die Tugend beschattet und hatte dem Laster Paläste gebaut.
Tacitus war kein Kriegsmann, wie Cäsar in Gallien war und hatte nicht eigenen Ruhm zu verkünden; er war nur ein Römer der alten Zeit, der dem Sittenverfall seiner Tage den Spiegel germanischer Einfachheit vorhielt.
Er sah die Tugend und sah die Laster der Deutschen, aber er sah auch die Einfalt der Sitten, die Nähe der starken Natur und die Waltung der Herkunft.
Freiheit und Ehrfurcht, die Schlüssel der Menschheit, sah er in einfachen Händen; wie Kinder die Dinge tapfer und gläubig tun, sah er die Deutschen, indessen die Römer in greiser Lüsternheit gingen.
Er wollte dem Sittenverfall seiner Tage den Spiegel vorhalten und war ein Römer der alten Zeit; aber das Spiegelbild zeigte die kommende Stunde: fröhliche Stärke der Jugend gegen das grausame Alter.
Die Springflut
Das kurze Schwert, den runden Schild und Gehorsam ihrem König brachten die Goten mit über das Wasser, als sie den alten Völkerweg fanden, von Schweden hinunter ans Schwarze Meer und hinüber zum Pontus.
Da wurde das alte Skythenland wach im Lärm der Wagen und Pferde, weit in die Stille der östlichen Steppen floh der Hufschlag der Bogenreiter, Völker bedrängten die Völker, Länder wurden lebendig und der Wald kam ins Wandern.
Markomannen, Vandalen und Alemannen, Burgunder und Langobarden wichen dem gotischen Königsvolk aus und strömten landsuchend hinein ins Tiefland der Donau, bis der Völkerkessel voll war zum Rand und überfloß in die römischen Gärten.