Als aber die Freunde zuerst ihr Feuerwerk brannten, als sie die Tage mit Trunk, Jagd, Narrheit und Maskerade hinbrachten, machten die Bürger von Weimar drei Kreuze, wenn sie den Namen Goethe aussprachen.
Und als der Herzog den landfremden Doktor aus Frankfurt zum Minister machte, rangen die geheimen Räte die Hände, daß nun das Land mit dem leichtsinnigen Herzog an den Teufel verkauft sei.
Aber der landfremde Doktor wußte die hitzigen Rosse zu lenken; als sie am wildesten schnaubten, griff seine Hand fest in die Zügel.
Das Land des Herzogs war klein und kläglich verwaltet, die Lässigkeit schlechter Beamten machte dem neuen Minister das Amt schwer, auch blieb der Widerstand gegen den landfremden Doktor geschäftig.
Ihn zu besiegen ging Goethe allein mit dem Herzog auf Reisen und blieb ein Vierteljahr in der Schweiz, wo sie reitend und wandernd allein in der großen Natur waren.
Da konnte kein höfischer Neid ihm den Schatten verdrehen, da konnte er sprechen und wirken und konnte den jungen Herzog sich tiefer verbinden als durch lärmende Feste.
Als sie dann wieder in Weimar anlangten, war ihm der Herzog in Wahrheit verfallen; Goethe der Dichter wurde allmächtig und konnte im Ländchen Regen und Sonnenschein spielen.
Der den Götz und den Werther schrieb, und der seinen Ruhm wie seinen Geist mit Selbstgefühl trug, gab ein Jahrzehnt seines einzigen Lebens daran, ein treuer Beamter zu sein, dem die Alltäglichkeit wichtig und dienende Pflicht die Erfüllung war.
So wurde Weimar, das Ländchen kläglich und klein zwischen den Mächten, das Vorbild kluger Verwaltung und eine ruhmvolle Stelle im Reich, weil ein großer Geist nicht verschmähte, treu und besonnen die täglichen Dienste zu leisten, weil ein Dichter das Gleichnis der tätigen Hände auskosten wollte.