Als sie das Stück zum erstenmal spielten in Mannheim, hatten vorsichtige Hände seinen Brand erst gelöscht, aber der wilde Jubel der Jugend blies in die Glut, bis sie himmelhoch flammte.
Da legten die Jünglinge trotzig das Wertherkleid ab und zogen ein Räuberwams an; die an der Empfindsamkeit krank waren, lachten sich höhnisch gesund, sie ließen die seufzende Wollust den Töchtern und fuhren mit Frechheit und Flüchen zur Hölle.
Der aber solchen Aufruhr der Jugend entzückte, war ein bläßlicher Medicus beim Regiment; er konnte nur heimlich nach Mannheim fahren, und als er nach Stuttgart zurück kam, warf ihm der Herzog sein Dichterglück vor die Hunde.
Der Medicus Schiller hatte den Fluch der Freiheit geschworen; Tod den Tyrannen war seine Losung; und mußte die Tage in knirschender Demut hinbringen, bis er das Land des Herzogs heimlich verließ.
Anders als Goethe der Flüchtling nach Rom, kam Schiller der Flüchtling nach Mannheim: krank an der Brust, von Sorgen und Schulden gehetzt; gütige Freunde mußten ihm helfen, daß er die bitteren Jahre durchhielt, bevor ihm endlich in Weimar das Leben günstiger aufging.
Jena
Als Schiller zum erstenmal kam, Goethe zu suchen, war Goethe in Rom; aber der schwäbische Flüchtling fand den Namen des Dichters in Weimar gesegnet und hoffte das seine, der schon im fünften Jahr seiner Flucht unstet herum fuhr.
Er war von hoher Gestalt, rothaarig und blaß und gebeugt von der Schwindsucht, als er in Weimar Unterkunft suchte; aber der Herzog sah ihn nicht gern, und der Musenhof war dem Dichter der Räuber nicht günstig.
Als Goethe dann heimkam, fremd und braun von der römischen Sonne, half er dem Flüchtling wohl in ein Amt, aber er hielt sich dem Menschen verschlossen und kannte den Dichter nicht.