So wurde Schiller, der schwäbische Flüchtling, in Jena Professor; der Dichter der Räuber hieß Hofrat und lehrte Geschichte; Charlotte von Lengefeld war seine zärtliche Frau, und vielerlei Freunde fanden sein Haus.

Nur Goethe in Weimar blieb wie ein Leuchtfeuer fern: er sandte sein Licht in die Weite, aber die Nähe war ihm verleidet; und wie er der eigenen Jugend fast feind war, blieb ihm ihr hastiges Spiegelbild doppelt verdrießlich.

Sechs Jahre lang zog der Minister in Weimar den Mantel nicht aus; sechs Jahre lang würgte den stolzen Professor in Jena der Grimm, daß ihn, den Dichter, der Dichter nicht kannte.

Denn heller als einer sah Schiller das einsame Licht die Himmelsfernen absuchen, indessen die eifrigen Lampen der Zeit Stuben und Kammern erhellten.

Weil er nicht abließ von seiner Liebe, kam endlich der Tag, da die beiden sich fanden, da die Bürger von Jena die hohen Gestalten einander zugeneigt sahen, da der stolze Minister eintrat in das Haus des Professors.

Da wurde der Reif gerundet, der Weimar und Jena verband, da wurde die hoheste Freundschaft geboren, da ging am Himmel der Deutschen das Doppelgestirn auf, über den dunkelsten Nächten zu leuchten.

Weil jeder ein Einziger war, stand keiner dem andern im Schatten: Schiller, der jüngere, drängte mit stürmischer Neigung; Goethe, der ältere, ließ es geschehen mit dankbar besonnter Kraft.

Er hatte die Freunde der Jugend vertan, nun fand die einsame Mannheit ihre Genossen; da drängten die Quellen wieder zu Tag, die in der Tiefe geheimnisvoll flossen, da wurde Goethe der Dichter zum andernmal wach, da traten die weisen Werke der Goetheschen Mannheit froh in Erscheinung.

Hermann und Dorothea hieß er den herrlichen Sang der zwei Lieben, darin sich der Dichter des Tasso wieder zur Heimat zurückfand.