Der Rhein glänzte hinein aus nahester Ferne, ein flinker Fluß floß ihm zu, Wiesen und Felder, Wälder und Weinberge umrahmten das freundliche Bild der deutschen Kleinbürgerstadt.

Kein Fürstenhof, keine Prinzessin: Wirtsleute waren die einfachen Helden der Handlung, Apotheker und Pfarrer priesen mit ihrem behaglichen Wesen das Leben der täglichen Arbeit.

Aber vom Klang geruhsamer Verse umflossen, gab ihr bescheidenes Dasein ein Sinnbild der Menschheit nicht minder, als es die reine Höhe der Iphigenie war.

Homerische Rundung der Bildergestalten, Dürersche Sorgfalt und Treue, die Seelengewalt der deutschen Musik gingen miteins, in deutscher Landschaft und deutscher Kleinbürgerschaft edle Einfalt und stille Größe zu walten.

Der aber mit seiner drängenden Neigung so Großes über den Dichter in Weimar vermochte, ihm fiel von seiner besonnten Kraft ein größerer Segen zu.

Schiller, der Dichter der Räuber, trat ein in die klassischen Gärten des Meisters; wohl blieb er der Sturmvogel der Freiheit, der Wortgeist hoher Gedanken, aber die Heftigkeit seiner Gebärden wurde vor Goethe still an der Gelassenheit seiner Erscheinung.

Als Schiller das Riesenbild Wallensteins in eine große Wirklichkeit stellte, als er der Glocke den hohen Feiergesang schrieb, Maß und Würde des Bürgertums preisend, da kannte der Dichter den Dichter, wie er dem Menschen aufgetan war.

Und als dem Dichter der Räuber zuletzt sein Tellspiel gelang, rief es noch einmal Tod den Tyrannen, aber nun waren die Räuber ein Volk, das sich aus frecher Bedrückung mannhaft und maßvoll die Freiheit gewann.

Elf Jahre lang blühte der Bund seine stolzesten Blumen und reifte den starken Saft seiner Früchte; im Dasein der Deutschen war es die Hochzeit, sie wurde gefeiert zur selben Zeit, da die reichsfürstliche Herrlichkeit hinstürzte in Staub und Stank.

Nicht Frankfurt und Nürnberg, nicht Mainz und Köln, nicht Wien und Berlin: eine Kleinbürgerstadt an der Saale war der gesegnete Platz ihrer Feier.