Da gingen die hohen Gestalten im stillen Gespräch starker Gedanken, da war die feurige Fülle begeisterter Jugend um sie, da wuchsen im Licht ihres Geistes die Männer heran, die danach Deutschland erfüllten.

Elf Jahre lang blühte der Bund, dann sanken der drängenden Neigung die Hände: im sechsundvierzigsten Jahr seines stürmischen Lebens starb Schiller; die lohende Flamme losch hin, das einsame Leuchtfeuer stand in der Brandung der Zeit, weiter und weißer als je in die nächtlichen Fernen zu dringen.

Hölderlin

Hold wie sein Name war Hölderlin und hell wie Apoll der Jüngling aus Schwaben, der bei dem Kaufmann Gontard in Frankfurt Hauslehrer wurde; schön war Susette, die sittige Hausfrau, edel an Geist und Gestalt und aller Sehnsucht Vollendung: der helle Gott fand die Göttin.

Die aber in göttlicher Ferne ihm vorbestimmt war, stand in der irdischen Nähe durch Pflicht und Neigung dem Kreis verbunden, darin sie die Hausfrau und Mutter und für den armen Lehrer aus Schwaben die reiche Herrin vorstellte.

Sie sah das Licht der eigenen Ferne in seinen Augen gespiegelt, sie hörte den Klang seiner Stimme, wie ein Wanderer die Glocken der Heimat vernimmt, sie ging den Wolkenweg seiner Gedanken Hand in Hand; Schwester und Mutter war sie dem Jüngling, aber sie ließ seine Leidenschaft nicht über die Schwelle des Hauses, darin sie die Frau war.

Ihn hatten, vaterlos, zärtliche Frauen erzogen, er wußte den Schritt nach der Sitte frei zu bemessen; so trat er nicht fehl, und ehe die Fäden der Schuld ihm die Füße verstrickten, verließ er die Nähe.

Der Hauslehrer ging nach Schwaben zurück, die Hausfrau blieb in der Pflicht ihrer Tage; kein Schatten fiel auf den irdischen Weg, die lohende Flamme stand auf dem Altar der Liebe im Tempel der hohen Herkunft behütet.

Diotima hieß er die Schwester und reine Geliebte im Glück seiner stolzen Gedichte, ein Stirnband aus Sternen band er der Göttin ins Haar, und keusch verhüllt war die Herrlichkeit ihrer Glieder.