Wohl gab der Schmerz des Abschieds seine Schatten her, ihr Bild zu verdunkeln; aber das Licht ewiger Fernen erhellte die Schatten, daß auch der Schmerz ihre Schönheit bediente.

Die Ewigkeit war im Wandel der Sinne verhüllt, und der Schmerz war ihr tiefes Geheimnis; Herkunft und Hingang der Seele bedeckten die Wolken des Tages, über den Wolken stand die Heimat der Götter in ewiger Bläue.

Der so mit Sternen sein Götterbild kränzte, der hell wie Apoll seinen Schmerz in den Abgrund versenkte, der ein Sendling der göttlichen Wiederkunft war, indessen die hohen Gestalten in Jena frei durch die Wirklichkeit schritten, mußte sein Dasein anders als irdisch vollenden.

Fern seiner schwäbischen Heimat, im hitzigen Süden von Frankreich, wo er zum andernmal Hauslehrer wurde, fiel das Geschick über Hölderlin her wie ein Geier, gesandt von den Göttern.

Sein Geist, längst aller Tätigkeit fern, wurde mit in die Lüfte gerissen; seine Seele, der Schwingen beraubt, blieb im Gehäus des irdischen Leibes.

Ein Frühsommertag hing seine schimmernde Wolkenlast über das schwäbische Land, als Hölderlin heimkam, braun von der glühenden Sonne, einem Landstreicher gleich in zerrissenen Kleidern, im Schoß der Mutter sein Leid auszuweinen.

In Frankfurt sank zur selben Zeit Susette, die sittige Hausfrau, dem frühen Tod in die Arme: Diotima, die Schwester und reine Geliebte, kehrte zurück in die Ferne, indessen der Dichter, im Wahnsinn der Nähe gefesselt, noch vierzig Jahre zubrachte.

Ein letzter Sendling der Götter hatte der Erde sein Opfer gebracht; seine Gesänge blieben im Dasein der Deutschen, als ob ein Harfenlied fremd im Tageslärm klänge, als ob das Geheimnis der Wehmut selber den göttlichen Ursprung besänge.

Die Romantik

Jena, die Kleinbürgerstadt an der Saale, war die hohe Schule des Geistes geworden, Lehrer und Schüler liefen ihr zu; der Große von Weimar war gern zu Gast.