Die Kaiserpfalzen am Rhein und die stolzen Rathäuser, die Marktplätze mit der steinernen Zier ihrer Brunnen, die Torburgen der Städte riefen den Ruhm der vergangenen Tage nicht weniger aus, als die Glocken der Klöster und Kirchen die Ewigkeit klangen.
So kreuzte das junge Geschlecht den Weg der hohen Gestalten, indessen die beiden feierlich schritten, schwärmten sie hin, das Herz der Heimat auf ihren Händen zu tragen.
Es war die gotische Seele, die wieder zu drängen begann; ob es zunächst nur ein glühender Traum und eine irrende Sehnsucht in die Vergangenheit war: Deutschland stand auf, mit allen Teufeln und Engeln der eigenen Herkunft zu ringen.
Des Knaben Wunderhorn
Brentano und Arnim hießen die beiden Gesellen, die in der Frühe auszogen, am Rhein, in Franken und Schwaben Schatzgräber der deutschen Seele zu sein.
Die Stimmen der Völker in ihren Liedern hatte Herder gesammelt und war der neuen Weltbürgerschaft Prophet und Apostel gewesen; sie aber wollten dem eigenen Volk den Schatz seiner Lieder heben, daß es die Zukunft erkenne.
In den Stuben und Höfen der Handwerker bot das Lied seine Strophen dem Bänkelsang dar, draußen im Land hielt es den Mund der Burschen und Mädchen fröhlich geöffnet.
Was die Urahne sang, als sie noch selber im Schmuck der Bänder den Reigen abging, das sangen die Enkel: wie der Bach und der Wald, die Wiesen und Wolken im Wechsel der Tage die Unvergänglichkeit waren, jährlich im Frühling verjüngt, so hielt das Lied über Jugend und Alter die Herkunft lebendig.
Immer aufs neue gesungen, in Leid und Freude gleich mächtig, bot es der Liebe den Raum, darin die Wirklichkeit nur durch die Fenster herein sah, indessen das Pfeilergewölbe, zum Sternhimmel geweitet, der Sehnsucht die heimlichen Türen aufmachte.