Da waren die Zelter der Träume bunt aufgeschirrt und lockten zum Ritt in selige Fernen, da schwollen die Geigen, als ob in den Tönen die Seele auf Mondstrahlen ginge, da war das Herz eine Amsel, die letzte Seligkeit flötend vor dem Geheimnis der Nacht.
Brentano und Arnim, die beiden Gesellen, selber von Jugend und Liebe der Zauberei mächtig, drangen hinein in den Berg, darin das Lied solchergestalt seine heimliche Wunderwelt hatte.
Und alles Lied war Wort, das mit den Wellen der Melodie auf den Strömen der Urtiefe selig dahin fuhr; sie fischten das Wort aus den Strömen und brachten es glücklich zu Tag.
Da waren es Perlen, im Reim zu Kränzen gebunden; so reich war der Raub, daß ihre Hände nicht alles zu fassen vermochten.
Des Knaben Wunderhorn hießen sie dann die stattlichen Bände, darin die Worte, wie andere Worte zu lesen, abgelöst vom Gesang, fremd und frierend auf Papier gedruckt waren.
Aber das Wunder war noch im Wort, es brauchte nur Augen und Ohren zu finden, die seinen Zauber verstanden, so wurde die Seele des Wortes lebendig im Sang: aus des Knaben Wunderhorn stiegen die Lieder wie Lerchen.
Das Märchen
Das Wunderhorn hatte geklungen, da gingen zwei Brüder im Hessenland um, noch einmal Schatzgräber zu heißen.
Die Lieder flogen wie Lerchen, aber das Heimchen am Herd zirpte von heimlichen Dingen, die nur die Großmutter erzählte, wenn ihr die Enkel am Abend dasaßen; das Öllämpchen brannte und ließ an der Wand die Spukgestalten der Schatten tanzen und drohen.