Da wurden die uralten Mären lebendig, aber die Riesen und Zwerge waren geschäftige Nachbarn der Menschen geworden, und nur im Spuk ihrer Schatten gingen die Götter, aus Himmel und Hölle vertrieben, durch die entgötterte Wirklichkeit hin.
Die einmal Urmächte hießen, dienten als Spielzeug, und wo eine Großmutter Märchen erzählte, war ihre bunte Puppenwelt da, den Menschenkindern Freude und Leid vorzutäuschen.
Die Brüder Grimm wußten, daß solche Puppenwelt nur die Verkleidung vergangener Urmächte war, aber sie rührten nicht an das Kleid und brachten die Märchen getreu an den Tag, wie sie in Heimlichkeit waren.
Sie schrieben der Ahne das Wort vom Mund und deutelten nicht, sie waren wissend und wurden horchende Kinder, bis sie aus Sammlung und Sichtung ihr Märchenbuch hatten.
Da ging Rotkäppchen aus mit dem Korb, Großmutter Kuchen zu bringen; aber der böse Wolf kam, das Kind vom Weg zu locken, und hatte Großmutter und Kind aufgefressen, als die Schere des Jägers sie aus dem Bauch des Wolfes wieder ans Licht brachte.
Da schlief Dornröschen, die schöne Prinzessin, hinter dem Zauber der Dornheckenwände, bis der Prinz kam, die liebliche Braut aus dem Bann der Hexe zu lösen.
Da lag Schneewittchen im gläsernen Sarg bei den Zwergen, von der bösen Stiefmutter vergiftet; da fand der Königssohn Aschenbrödel im Haus der häßlichen Schwestern, weil ihr allein der goldene Schuh paßte.
Da saß Frau Holle im Brunnen und fackelte nicht, die Guten zu lohnen, die Bösen zu strafen; und wenn ihre Magd das Bett schüttelte, dann schneite es in der Welt.
Kinder- und Hausmärchen hießen die hessischen Brüder das Buch, darin die Wirklichkeit war wie ein Wasser, das eilig glitzernd dahin fließt über die Steine des Grundes, die uralt daliegen und seine gläserne Flut bunt und beharrlich durchleuchten.