So geschah es, daß Hebel, der geistliche Herr in der badischen Hauptstadt, durch allen Spektakel der Zeit harmlos dahin ging, weil er ein Kalendermann wurde.
Er war der einzige Sohn einer Witwe, und Taglöhnerarbeit hielt seine ärmliche Wiege; aber die Wiege stand droben im Markgräflerland, wo die muntere Wiese dem strengen Schwarzwald entspringt.
Da gingen dem Knaben die Wege in fröhlicher Freiheit, da waren die Wolkenweiten über die grünen Gebreite bis hinter die blauen Fernen gespannt, da sangen die Vögel zur Arbeit, da war ein emsiges Landvolk im Kreislauf des Jahres geborgen.
Den Dank seiner fröhlichen Jugend brachte der Kirchenrat und Prälat als Kalendermann seiner Heimat zurück.
Er konnte darüber die geistliche Würde vergessen und alle Gelehrsamkeit seiner Bücher; auch blieb er ein Schalk und wußte genau, was ein Zirkelschmied war; einen lustigen Diebstahl erfinden, schien seinen schlaflosen Nächten gesunder als Cicero lesen.
Schnurren und Späße, die draußen im Land herum liefen, fing sein Kalenderwort ein, und sparte den Spott nicht, wenn der Müller von Brassenheim allzu fett und selbstgerecht war.
Er konnte auch ernst wie ein Landpfarrer werden, und die Moral hing seinen Geschichten gern einen Zopf an, wie es die Großmutter tat, wenn sie den Enkeln Märchen erzählte; doch waren sie darum nicht weniger trefflich, und jedes Ding stand in der klugen Wahl seiner Worte und blühenden Bilder leibhaftig da.
Die dankbaren Leser merkten die weise Kunst nicht, die der kluge Kalendermann übte; sie lasen sich selber und sahen ihr ländliches Leben gespiegelt, so wie sie es kannten.
Wohl kam auch der Bürger hinein aus den Gassen der Kleinstadt, aber der Rock war gelüftet von seinen muffigen Stuben, und die Wiesenluft blies ihm sein grämliches Angesicht frisch, daß er die ländliche Fröhlichkeit lernte.