Indessen dies alles in Deutschland geschah, indessen die Herkunft des Volkes gegen das Welschtum der Fürsten aufstand, indessen das Morgenrot der Romantik in den silbernen Griechentraum kam: war Goethe, der Dichter des Götz und des Werther, der Alte von Weimar geworden.
Alle die Rufer der großen Zeit waren verstummt, Klopstock und Lessing, Herder und Schiller; er aber, der mehr als ein Rufer war, stand im Sturmwind der Zeit als Leuchtfeuer da, aus der Vergangenheit in die Zukunft zu leuchten.
Ein altes Puppenspiel hatte dem Knaben in Frankfurt die Taten des Faust vorgeprahlt, der seine Seele dem Teufel verschrieb und ein Schwarzkünstler wurde.
Als danach den Jüngling in Straßburg das junge Blut plagte, als ihm die Brust schwoll und der Kopf brannte von Zweifeln und trotzigen Fragen, kam ihm der Faust aus dem Puppenspiel wieder, und er sah seinesgleichen.
Er sah der Tugend den Fallstrick gelegt in der täglichen Ordnung der Väter, Himmel und Hölle halfen ihn halten; aber der Menschengeist trotzte den Vätern samt ihren allmächtigen Helfern: er wollte sich selber gerecht sein und jede Art Lust büßen, statt in der fremden Gerechtigkeit bleiben.
So wurde dem Jüngling in Straßburg das alte Puppenspiel neu, Himmel und Hölle zum Trotz sollte sein Faust sein, der Menschheit zur Fackel.
Herder der Herbe wies den hitzigen Jüngling auf nähere Wege, er wurde der Dichter des Götz mit der eisernen Hand; aber schon auf den Wertherwiesen in Wetzlar trug er den trotzigen Plan von neuem umher, wenn ihm die Brust eng war vom Staub seiner Tage.
Als der Herzog von Weimar den Dichter zu Gast lud, brachte er ihm sein Puppenspiel mit: Schattenrisse, in raschen Auftritten wechselnd, mit Worten wie von Hans Sachs, nur weiter und wehender.
Wie ein Bräutigam seinen Freunden die Braut zeigt, so aus dem heimlichen Glück las er sein Stück vor; aber er wußte, daß seine trotzige Neigung noch keine Liebe, daß die rasch gepflückte Frucht noch keine Ernte war.