Er wurde in Weimar Minister und legte den Faust in die Lade, der Schwarzkünstler paßte nicht in sein Dasein geheimrätlicher Pflicht; und als er danach in Rom wieder faustisch zu denken begann, nahm ihm die klassische Luft die Lust an dem nordischen Spuk.
Erst Schiller, der treffliche Treiber, vermochte ihn wieder an das verlassene Werk der Jugend zu bringen; aber dem reifen Mann wollte der Jünglingstrotz nicht mehr ziemen: eine leuchtende Lohe wuchs aus dem Höllenbrand seiner Jugend.
Als Schiller, der glühende, starb, und Goethe, grämlich allein, das unübersehbare Gut seines Daseins bestellte, ließ er sein Faustfragment zum drittenmal liegen.
Er war im sechzigsten Jahr seines Lebens, und sechzehn Jahre vergingen, bevor er als Greis – nach einem halben Jahrhundert – sich wieder den schwankenden Gestalten der Jugend zuwandte.
Längst hieß sein Werk kein Puppenspiel mehr; Himmel und Hölle rangen um Faust, der ein Schwarzkünstler war und der Menschengeist wurde.
In allen Weiten und Winden des Lebens, in allen Sorgen und Sünden wissend, genießend und tätig sollte er sein, und allen höllischen Mächten zum Trotz seinen Weg in den Himmel schreiten.
Aber kein Wunder konnte die Seele erlösen, das Wunder vermochte der Geist allein: er mußte den Kampf der Mächte ausmachen, er mußte durch Himmel und Hölle der eigenen Brust Meister des Schicksals bleiben.
So hatte ein halbes Jahrhundert über dem hitzigen Plan seiner Jugend den stolzen Dombau begonnen; der Greis sah das Pfeilerwerk riesenhoch ragen, aber noch fehlten der Helm auf dem Turm und die Wölbung.
Am glutroten Münster in Straßburg hatte sein trunkenes Auge gehangen, als er den Riesenbau plante; nun war der Dichter des Götz ein Grieche geworden, und über dem gotischen Grundriß sollte ein marmorner Tempelbau prangen.
Der Schwarzkünstler ging aus den Nürnberger Gassen in Griechenland ein, Faust wurde Herzog und Fürst, und Helena herrschte, wo Gretchen, das deutsche Bürgerkind, ihre schmerzreiche Gunst gab.