Ob der Lichtschein deiner Erinnerungen immer blasser ins Dunkel seiner Tiefe tastet, wo selbst die Ahnungen sich zuletzt bescheiden müssen, du hast keine andere Beglaubigung als den Brunnquell deiner Seele: was dir widerfahren mag, das fühlst du sicher, wird hier allein und nicht im Tageslicht der andern gewogen.
Nicht anders dir als deinem Volk, in dessen blinkender Oberfläche du für einen Augenblick bist, wieder in seinen Lebensraum zu versinken: nur in seiner, nur in deiner Seele kann es die ewigen Wasser steigen und versinken sehen; alle andere Gegenwart ist ihm fremd, alle andere Vergangenheit muß ihm tote Geschichte für die Messung der Wissenschaft bleiben!
Das Schuldbuch der Götter
Er
Im Anfang war Er, der himmlische Gott; die Erde grünte in Seiner Sonne.
Im ewigen Gleichmaß kam Er zu schauen die Schönheit Seiner Geliebten, die im blinkenden Glanz der Gewässer, im stummen Stand der reifenden Halme, in den Untiefen schwellender Kelche die Seligkeit Seiner lustwandelnden Liebe genoß.
Wenn Sein Himmel die Erde umspannte mit Bläue, wenn Sein Auge den Himmel durchsonnte mit Licht, das Meer und die Berge beschüttend mit wärmendem Feuer, wenn der Mittag stand über der Welt, daß sie den Atem anhielt, erschauernd in Fülle: dann war Seine Stunde.
Stark und selig im Gang Seiner steigenden Bahn ließ Er den Morgen erröten, Er trank den Tau aus dem Gras, daß Blätter und Halme kristallisch funkelten, ihrem Glück Seinen Boden zu bauen.