Wonnig und warm ließ Er den Abend abschwellen zum Segen der Nacht; Sein Geleucht blieb zurück in der Lohe und wartete still im Glanz Seiner Gestirne!
Und wie den Tag hielt Er das Jahr in unverrückbarer Schwebe: Er ließ die Sehnsucht der Erde blühen im Schaum des Frühlings, Er begoß ihre Träume mit zärtlichem Regen, Er ließ ihre Brüste schwellen in himmlischer Nahrung und ihren Leib schwer werden im Segen der Frucht.
Er war Gott, und die Welt war im Gang Seiner Tage geordnet, Mond und Sterne standen in Seinem Gedächtnis, über allem Tun thronte Sein ewiger Wille, über allem Sein lag der Blick Seiner Sonne.
Die Götter
Aber Himmel und Erde kamen ins Wanken; Wolken stiegen vom Abgrund, das zärtliche Auge verhüllend; die Wasser begannen zu strömen, und alle Sonne versank.
Stärker als Er schien die entfesselte Kraft und höher als Liebe der Aufruhr: Ymir, das rauschende Naß, erfüllte die Welt; Seine Söhne, die Reifriesen, herrschten über dem Abgrund.
Aber aus Urgebrausdunkel kamen die Mächte: Urluft, Urwasser, Urfeuer; sie hoben das Erdenrund wieder und schieden Midgard vom Meer.
Noch irrten die Sonne, der Mond und die Sterne planlos umher, sie setzten sie ein in die ewigen Bahnen: dann schien die Sonne auf Midgard und ließ wachsen das erste Grün.
Als sie gingen am Strand, fanden sie Bäume dastehen und weckten Menschen daraus: Urluft gab die suchende Seele, Urwasser die wachsamen Sinne, Urfeuer den flackernden Geist.