Mozart war tot, als Beethoven kam, Haydn nahm sich des rheinischen Jünglings an wie ein Vater; er führte ihn ein in das große Orchester und in die sinfonische Fülle der Geigen und Bässe, Hörner und Pauken, Flöten und Klarinetten.

Beethoven wurde, wie Mozart es war, ein Meister auf dem Klavier – nur daß er tief aus der braunen Dämmerung kam, indessen jener im hellichten Morgenrot ging – wo er sein trotziges Spiel hören ließ, wurde der Menschengeist wach, seinen eigenen Atem zu spüren.

Da brach in die Säle von Wien, in die Kerzen und goldenen Stühle der Menschentrotz ein und ballte die Fäuste, lachte und weinte, wo leichtes Gelächter, wo Seufzer und Rührung und spöttische Heiterkeit war.

Aber das Schicksal schlug den gesegneten Mann, seine Macht zu erhöhen: es nahm ihm sein Ohr und nahm ihm sein Spiel, es führte ihn heim aus dem rauschenden Beifall der Hörer in die einsame Stille der Taubheit.

Da saß der unselig gesegnete Mann noch immer an seinem Klavier und glaubte zu hören, was nur die Brandung der Seele, was nur das Meer der Gefühle im Sturm seiner Leidenschaft war.

Abgelöst von der irdischen Wirklichkeit seiner Töne schrieb er Musik, die seine Ohren nie hören, die seine Seele nur aus den Noten ablesen konnte.

So sank er hinein in die Gründe, darin er allein mit seinem Trotz das Leben bestand: ein Titan war unter die Menschen verbannt, den sie wie Donner und Blitz, wie sausenden Wind und rauschendes Wasser verstanden; nur ihre Antwort hörte er nicht.

Er war den Göttern verfeindet wie alle Titanen, er haßte ihr neidisches Wesen und daß sie dem Geist sein trotziges Tun hochmütig mißgönnten; er brachte den göttlichen Funken in seiner Musik zu den Menschen, daß ihnen die Götter Rede stehn mußten.

Haydn, der heitere, hatte den Jüngling das große Orchester gelehrt, aber die Fülle der Geigen und Bässe, Hörner und Pauken, Flöten und Klarinetten war nur ein reicherer Wohlklang gewesen: nun brauste der Geist in die Fülle, da Beethoven, der taube Meister in Wien, den Sinfonien der Menschheit die ewigen Noten hinschrieb.