Als die Söhne Ludwigs des Frommen das karolische Reich unter sich teilten, nahm Lothar das Land in der Mitte.

Es war nur ein schmales Band von der kalten Meerküste über die Alpen hinüber nach Welschland; aber der Rhein zog seine reiche Straße hindurch, und die Kaiserkrone hing an dem Band.

Lothar, der Kaiser, war schwach und ging in ein Kloster; die stärkeren Brüder im Westen und Osten zerschnitten das Band, aber sie konnten die Krone nicht teilen.

Wer den Rhein hatte, der hatte das Reich: hier war der goldene Schlüssel der Macht, hier saßen die Kurfürsten von Köln und Trier und der von Mainz, der Kanzler der Reichsherrlichkeit, hier zogen die Heerschilde auf, den Kaiser zu wählen, hier hielten die mächtigen Städte von Straßburg bis Utrecht dem Kaiser die Tore geöffnet, wenn die Fürsten ihm trotzten.

Hier stand der Aachener Krönungssaal, hier waren die Kaisergräber in Speyer, hier hielt Barbarossa das herrliche Maifeld, ehe den Herrscher des Abendlands sein Ritt ins Morgenland führte.

Hier wurde Rudolf von Habsburg, der Graf aus dem Aargau, nach schmählicher Zeit König der Deutschen; aber sein karges Geschlecht verriet den Rhein und das Reich um die Habsburger Hausmacht im Osten.

So kam Lothars Reich zum andernmal in den Streit der stärkeren Brüder von Osten nach Westen: Wien und Versailles kreuzten die Schwerter über dem Rhein um die Krone.

Ludwig der Vierzehnte brach einen Stein aus dem Stirnreif: die wunderschöne Stadt Straßburg; er kaufte die rheinischen Fürsten mit Gold und Gunst gegen das Reich und den Kaiser.

Alliance du Rhin hieß er das listige Bündnis, aber es blieb eine teure Gunst der Minister, bis das Schwert Napoleons kam und eine billige Vasallenschaft daraus machte: er aber hieß es den Rheinbund.

Das linke Ufer Lothars nahm er zu Frankreich, dem rechten setzte er Fürsten nach seiner Laune: Vasallen trugen die Kronen, die er verschenkte im Rheinbund, Vasallen mußten ihm Heerfolge leisten gegen den Kaiser.