So kam es, daß er die Schule der Armen zu suchen ausging, und Armen wie Reichen den Weg der Erziehung fand: das Kind aus den Gärten der Jugend fröhlich ins Leben der Pflicht und Arbeit zu leiten, aus Spiel und Kindersinn das Bild einer neuen Menschheit zu bauen.
Er war ein ärmlicher Greis, dem solches gelang, und seine Werke zerrannen in Streit und Enttäuschung; Sorge, Entbehrung und bitterer Zorn über die Härte, Bosheit und Dummheit der Menschen liefen den langen Lebensweg mit.
Aber die Liebe hielt seinem Alter den Quell des Lebens lebendig, und als er versiegte, strömte sie noch, die Herzen zu rühren: daß dem Geringsten unsterbliche Seele einwohne, und daß es Menschenpflicht wäre und höchstes Ziel der Gemeinschaft, jegliche Seele ins Dasein zu wecken.
Der Freiherr vom Stein
Als die Preußen bei Jena den Krieg und den Kopf verloren, als das Heer in schimpflicher Flucht die Ängstlichen mitriß, als der Hof aus Berlin in Eilwagen floh, tat ein Mann kaltblütig das seine.
Es war ein Freiherr vom Stein bei Nassau und früh in preußischen Diensten; ihm waren die Kassen des Staates anvertraut, und er wußte sie klug und besonnen zu retten.
Der König von Preußen, einfältig und karg, mochte den eisernen Mann nicht; aber die Königin hörte ihm zu, und die Not zeigte mit allen Fingern auf ihn: so wurde der Reichsfreiherr vom Stein in Preußen Minister.
Seit dem Spötter von Sanssouci kam zum erstenmal wieder ein Kopf und ein Herz in die Leitung des preußischen Landes, und ein Wille, anders als jener der oberste Diener des Staates zu sein.
Denn der Reichsfreiherr haßte den dumpfen Betrieb peinlich bezopfter Beamten; ihm war der Staat ein lebendiges Wesen, bestimmt von sittlichen Kräften, und er kannte den Untertan nicht.
Alle Stände und Klassen, Junker, Bürger und Bauern waren als Staatsbürger gleich in Rechten und Pflichten; sie dienten dem Staat als der Rechtsgewalt ihres Volkes.