Landfahrend in der Fremde todfeindlicher Länder, konnten sie keinen Grabhügel wölben, kein Gedächtnis der Trauer dem grausamen Tal, daraus sie morgen schon schritten, das Schwert in der Hand.
Sie gruben ihm nächtlich ein Grab im Busento und senkten den König mit Schmuck und Schwert in den schweigsamen Grund.
Als die Sonne aufging im steinichten Tal, darin sie heimatlos standen und ihres Daseins nur durch das Schwert in der trotzigen Hand versichert, flossen die Wellen schon wieder den emsigen Lauf, mit schäumendem Schleier den Schlaf zu hüten, der den schwertfahrenden Männern Losung und Ziel ihres kurzen Straßenglücks war.
Die Hochzeit von Narbonne
Als Alarich der Kühne schlafen ging im kühlen Steingrund des Busento, ließ er die Seinen schiffbrüchig auf einer Fahrt zurück, die für die Ebbe ihres Rückzugs gefährlicher als für die hingeschäumte Flut war.
Doch führte die verwegene Kriegerschar als Geisel die junge Kaiserschwester mit, die schon im dritten Jahr die Irrfahrt ihres Lagers teilte: Placidia, von Athaulf, dem Schwager Alarichs, als Gemahlin begehrt und ihm zugetan.
Sie war den schlimm Verschlagenen ein Amulett: mit hundert Listen der Gefahr ausweichend, schob sich ihr Lagerdasein in Winkelzügen verwegen nordwärts, Rom und Ravenna rasch vermeidend, bis sie im zweiten Sommer die Alpen überschritten, die Tür ins Freie zu gewinnen.
Da schlugen sie den Sarus, dann den Jovinus, die in Gallien abtrünnige Gewaltherrn waren, und boten sich der schwankenden Gewalt des Kaisers als Schildhalter an.
Denn Athaulf der Gote, der des Kaisers Schwester zur Gemahlin begehrte, erfüllte klug und klar, was Alarich im Trotz nicht zwingen konnte: das Schwert der Goten sollte halten, was den schwachen Händen der Römer entglitten war.
Als Athaulf mit der Placidia Hochzeit hielt, schien in die dunkle Zwietracht der Zeit ein zager Sonnenstrahl, von den Goten in Narbonne prunkvoll gefeiert: die Blonden huldigten der braunen Königin.