Das Wasser war dünn im Isonzo, bald stand er am Po und einmal am gallischen Tor im ligurischen Bergland.
Da mußte Stilicho Lösegeld leisten, Norikum bot er als Bündnispfand an: so wurde das gotische Heervolk wieder landeigen und Alarich König im neuen Westgotenland; doch gab er den Schlüssel der römischen Gärten nicht aus den Händen.
Als der Knabenkaiser dem Kanzler die Treue mit Arglist vergalt, als Stilicho den Henkertod fand, trug er sein Schwert verwegen vor Rom, und schimpflich mußte der stolze Senat den Abzug der Goten erkaufen.
Mehr als ein Jahr lang lag er im Feld, dem das römische Heer von Ravenna den Rückzug verlegte: ein Straßenkönig im fremden Land, mit dem Schwert sein Zeltlager schützend.
Weder Land noch Frieden war zu gewinnen vor der Burg von Ravenna, zum andernmal zog er nach Rom, und diesmal erfuhr die Stolze das Schicksal, so mancher feindlichen Stadt von der römischen Schwertmacht bereitet.
Die seit achthundert Jahren keinen Feind kannte, sah durch Konstantins prahlenden Bogen den König der Goten einreiten: aber kein Rausch der Stunde verwirrte Alarichs Blick, daß dies für sein kühneres Trachten ein kurzer Triumph war.
Drei Tage lang ließ er die Seinen das Siegerglück kosten, dann nahm er die Hitzigen hart in die Hand: Karthago, die Kornkammer Roms, sollte der Preis seiner Fahrt und die Burg für sein Königtum sein.
Schon hatten kalabrische Schiffer ihm eine Flotte gerafft, als die kochenden Strudel herbstlicher Stürme die Schiffe zerschellten; vom Fieber verzehrt wichen die Seinen verzagt nach Cosenza zurück: da stillte der Tod dem Balten den unsteten Herzschlag.
Im Sumpffiebertal von Cosenza starb im vierzigsten Jahr seines Lebens der König der Goten, der seinem Volk kein Vaterland fand, der die gotischen Männer im dürren Gestein der kalabrischen Küste zurückließ.