Sie hatten den Wertherjüngling vergessen, und den greisen Faust kannten sie nicht; so fiel keine Trauer über das Land und keine Furcht in die Herzen.
Nur wo ein Kerzenlicht brannte, wo einer Seele die Kammer weit wurde, weil die Gestalten des Dichters durch ihre Einsamkeit gingen, zuckte die Flamme in den gewaltigen Schatten.
Der Zaubermeister von Weimar war tot, der all dem blühenden Leben, der Weisheit und Schönheit der Worte, der Wahrheit und Hoheit ihrer Gebärden Gottvater war.
Die Schöpfung stand still, die aus dem Sechstagewerk kam mit anderen Bergen und Bäumen, anderen Nächten und anderen Sternen und anderen Menschen, als sie die Täglichkeit kannte.
Der Menschengeist hatte sein Angesicht gläubig und stark gegen die Gärten der Götter erhoben, er hatte sich selber auf die verlassenen Throne gesetzt: nun ging er schlafen, weil seinem übermenschlichen Tun die Müdigkeit kam.
Das Volk der Denker und Dichter
Von der Maas bis zur Memel, von der Etsch bis zum Belt war ein Kirchhof, Deutschland hieß den verdrossenen Herzen kein Vaterland mehr.
Willkür und Wortbruch der Fürsten hatte das tote Gespenst der Verfassung eingesargt und begraben; der fromme Geheimrat stand mit gefalteten Händen dabei.
Gottlosigkeit habe – so sagte der fromme Geheimrat – das Fieber der Wünsche gebracht, Rechtgläubigkeit würde das Fieber ausheilen; oberste Staatsbürgerpflicht solle der Kirchgang sein.