Thron und Altar, als Kaiser und Kirche Schicksalsgewalten, mußten dem Staat die Stützbalken halten, der aller Vergangenheit bar kläglich am Abhang der Gegenwart klebte.
Doch hatte das Blut der Wünsche zu heftig gefiebert, und stärker begann die heimliche Ader zu rinnen, daraus die Kraft des entrechteten Volkes dahin floß.
Goldene Ernten hielten die Reeder in Bremen und Hamburg, indessen die deutschen Landschaften mehr Menschen über das Weltmeer verloren, als Krieg und Seuchen sonst hingerafft hatten.
Goethe und alle Guten hatten gewirkt, daß Größe und Würde den deutschen Namen umklängen, aber das Volk blieb stumm und geschlagen.
Das Volk der Denker und Dichter! so hatte der Hochmut an seine Tore geschrieben: Dichter und Denker waren die Stimme der Freiheit gewesen; die Ohren hatten den Deutschen geklungen, aber lebendig wurden sie nicht.
Die danach der deutschen Seele gläubige Schatzhalter waren, gingen als Pfarrer, Lehrer und Richter treu in die Täglichkeit ein, aber als Dichter und Denker und Hüter des ewigen Lebens saßen sie in der Verbannung.
Die schwäbischen Dichter
Aus schwäbischer Enge war Schiller geflohen, und Hölderlin hatte das Land seiner Seele nicht in der schwäbischen Heimat gesucht; als aber der flammende Braus von Jena ausgelöscht war, fing Tübingen an, bescheiden im Dunkel zu leuchten.
Kein Musenhof stand hinter dem Tübinger Stift, und keine allmächtige Hand hielt ihm die Tage geweitet wie Goethe in Weimar; es war der Garten, die schwäbischen Pfarrer zu züchten, aber die Frucht gedieh zu seltsamen Blüten.
Hölderlin war ein Stiftler gewesen; als sein herrlicher Geist sich in heilige Höhen verstieg, lebte sein Körper die langen Jahrzehnte in Tübingen hin, und noch das leere Gefäß seiner umnachteten Seele war ein Heiligtum unter den Menschen.